Die Tage von Skype sind gezählt

„Und jetzt zum VOIP Wetter der nächsten 10 Jahre. Nach eine anfänglichen Hoch, kommt es im weiteren Verlauf zu schweren Unwettern in und um Skype.“

Eigentlich war es schon lange klar, es fehlte nur der Anlass: Skype wird eingemottet.

Nicht wie Sie denken 🙂 Microsoft hat Skype grade zum Lync Standard gemacht. Wenn es nach Microsoft gehen würde, sollte Skype die Businesswelt beherrschen. Wenn es nach der NSA geht, dann auch. Nirgendwo würde man leichter an die gesamte Kommunikation eines Unternehmens kommen als bei Skype und anderen proprietären US-VOIP Systemen.

Deswegen ist es jetzt einfach an der Zeit es auszumustern, besonders da viel bessere Lösungen mit Opensource möglich sind, als jemals mit Skype. Skype stirbt einen langsamen qualvollen Tod. Jabber dagegen wird siegen, schon alleine des Preises wegen. Der ist mit M$ Lösung überhöht, denn für jedes kleine Extra soll bezahlt werden. Extras, die in anderen Produkten einfach dazu gehören. Wenn dann noch der Aspekt der Integrität von Geschäftsgeheimnissen dazu kommt, wird die Luft für Skype zu dünn.

ChatSecure, WhatsApp und Co. haben heute schon Skype den Rang abgelaufen, wobei jedes Produkt seine eigenen Schwachstellen hat.

WhatsApp gehört Facebook => Daten weg, ChatSecure kann genau nur Chatten => usebility = Null, TreeMa kann auch nur Chatten, ist ClosedSource + Infrastruktur eines Drittanbieters => genauso unnütz wie Skype. So geht es bei genauer Analyse vielen Heilsbringern, entweder sind sie rein kommerzielle Anwendungen bei denen man von einer einzigen Firma abhängig ist, oder der Funktionsumfang ist kleiner als Skype, was ein Rückschritt wäre.

Gibt es denn gar keine Hoffnung ?

Oh Ja, das nächste Big Thing ist da und bleibt. Unglaublich aber wahr!

OpenSource ! ALLES DRIN! Von Windows über Linux und Mac bis Android und Iphone !
Video, Chat, Audio, Konferenzen (Video/Audio/Chat), Dateitransfer, Integritätscheck, Autodestruktnachrichten, harte Verschlüsselung! Standarts !  Habe ich schon OpenSource gesagt 🙂 Eigene PKI, eigene Server! in 15 Minuten selbst aufgebaut !

Ja, der Heilsbringer ist da, er kommt nicht erst, er ist bereits gebaut worden! Und wenn es nicht ein Geschäftsgeheimnis wäre, ich würde es sofort hier ausplaudern, weil es so mördergenial ist. Als wir das hier ausprobiert haben, dachte ich mich trifft der Schlag. Ich bin den ganzen Tag nur rumgelaufen und habe dieses Welteroberungslachen von mir gegeben 😀

Mehr dazu, wie man eine eigene VOIP- und Telefoninfrastruktur aufbaut, gibt es später hier in meinem Blog. Versprochen! 😀

Bis dahin :

 

 

Die Vorratsdatenspeicherung umgehen

Fische schwimmen in Schulen, damit der einzelne Fisch für Raubfische unsichtbar wird. Vögel fliegen im Scharm, damit der einzelne Vogel für den Raubvogel im Schwarm untergeht und nicht gezielt rausgepickt werden kann. Einzelne Internetbenutzungen verschwimmen in der Masse der Netzwerkbenutzung …

Schön wars, denn die Zeiten sind „mal wieder“ vorbei. Die Bundesregierung führt mal wieder den Überwachungsstaat ein. Vermutlich hält das wieder genau so lange, bis das Bundesverfassunggericht die Fassung über den Unsinn verliert und den völlig unsinnigen Quatsch beendet. Bis dahin ist es an Ihnen, in der Masse unter zutauchen.

Wie funktioniert die Vorratsdatenspeicherung fürs Internet eigentlich ?

Zunächst müssen wir mal zwischen Internetprovidern und Zugangsprovidern unterscheiden. Internetprovider sind üblicherweise Anbieter von Webspace im Netz. Wie der Kunde ins Netz kommt, ist nicht ihr Problem. Zugangsprovider sind solche, die die Leitung von der Wohnung ins Rechenzentrum betreiben z.b. die Telekom.

Die VDS ( Vorratsdatenspeicherung ) wird nur den Zugangsprovider auferlegt. Die müssen jede Verbindung mit Zeit, Quelle und Ziel speichern. Der Inhalt ist egal. Und da beginnt für Sie jetzt schon eins der Probleme der VDS. Selbst wenn Sie Zugang zu den Daten hätten, Sie könnten sich damit von einem Verdacht nicht freisprechen. Warum nicht ? Wenn der Inhalt der Kommunikation nicht mitgespeichert wird, kann man  nicht sagen, welche Domain eine Email oder ein Webseitenaufruf erreichen sollte. Das liegt daran, daß auf einem Server tausende von Webaccounts und damit Domains betrieben werden können. Sie würden staunen, wie wenig Aufrüfe die normale Webseite am Tag hat, somit kann man viele davon auf einen Server packen. Haben wir so einen Server und speichern nur die Zielipadresse der Kommunikation zu diesem Server, kann man aus den Daten nicht ablesen welche, Domain/Webseite aufgerufen wurde.

Aus diesem Grund ist diese Form der Überwachung völlig nutzlos und zwar für beide Seiten. Der Überwacher kann nicht beweisen, daß Sie die Seiten des „Terrornetzes“ aufgerufen haben, und Sie nicht, daß Sie es nicht gemacht haben. Trotzdem müssen wir damit leben.

Die VDS heißt jetzt übrigens „Mindestdatenspeicherung“, weil es nicht so schlimm klingt. Die Speicherfrist liegt bei 10 Wochen, was auf das Ergebnis übrigens gar keinen Einfluß hat. Bei der Arbeitsgeschwindigkeit deutscher Ermittlungsbehörden, würden auch Jahre nicht ausreichen, mal ganz davon abgesehen, daß man die VDS leicht umgehen kann.

Wie man die VDS austrickst

Dazu gibt es jetzt eine einfache Methode und eine etwas teurere.

Die einfache Methode heißt „Tor“. Tor ist ein Netzwerk aus vielen hunderten Servern, die in den Netzwerkverkehr quer über die Welt verteilen und dabei den Eingangspunkt und den Ausgangspunkt der eigenen Kommunikation im Tornetz verschleiern, da er im Tornetz zufällig hin und her geleitet wird. Im praktischen Endergebnis kann man den Aufruf einer Webseite Ihrer IP nicht mehr zuordnen. Nachteil der Methode ist, daß theoretisch jemand den Datenstrom unterwegs manipulieren kann. Onlinebanking ohne erhöhte Sicherheitsvorkehrungen sollte man also nicht machen. Durch die ständig wechselnde IP dem Webserver gegenüber, kann es bei sicherheitskritischen Anwendungen wie Onlinebanking zu Problemen kommen, da der Webserver einen User nicht mehr sicher authentifizieren und gegen Cookiediebstahl absichern kann.

Die teurere Methode macht im Grunde das Gleiche, bleibt aber unter Ihrer Kontrolle. Dazu mieten Sie bei einem Internetprovider, wie meinem Arbeitgeber, einen Server mit VPN Software und zwei IP Adressen. Zu einer IP bauen Sie die VPN Verbindung auf, mit der anderen IP schickt der Server Ihre Verbindung ins Netz. Damit kann ein Überwacher in den Daten des Zugangsproviders keine Verbindung zu einem anderen Server mehr finden und Sie damit nicht fälschlicherweise beschuldigen.

Der praktische Nebeneffekt ist, daß wirklich Ihre gesamte Datenkommunikation zu Ihrem Server verschlüsselt ist. Sie können mit einem eigenen VPN auch direkt aus einem unsicheren Flughafen WLAN arbeiten, da zuerst alle Daten verschlüsselt an Ihren eigenen VPN Server geleitet werden. Ihre auf dem Laptop oder Handy installierte VPN Software sollte Ihnen zudem melden, falls jemand an Ihrer Kommunikation rumspielt oder versucht Sie auszuspionieren.
Wieviele Freunde und Verwandte Sie über Ihren eigenen Server mit einem VPN Zugang versehen, bleibt Ihnen überlassen. Im Zweifel gilt hier, je mehr Leute es sind, desto unwahrscheinlicher ist es, eine Verbindung Ihnen zuzuschreiben. Es könnte ja jeder der Benutzer gewesen sein. Zudem sind Sie nicht verpflichtet zu protokollieren, wann welcher Benutzer was gemacht hat. Sie sind ja kein Zugangsprovider.
Praktischerweise können Sie so gleich noch die eigene verschlüsselte private Cloudlösung benutzen, wo mit die ganzen Spione in den US Firmen außen vorbleiben. Auch Emailkommunikation können Sie über Ihren eigenen Server sicher abwickeln, sogar mit verschlüsselten Emails.
Achtung: Diese Anleitung erfolgt ohne Gewähr. Einfaches Copy&Paste wird Sie nicht weiterbringen. Sie müssen sich trotzdem selbst einen Überblick verschaffen, wie z.b. RSA Keys erzeugt werden.

Was braucht man um einen eigenen VPN Server aufzustellen ?

Zuerstmal einen eigenen Server im Internet, sonst macht das keinen Sinn und auf einem Webspace geht das i.d.R. nicht. Dann brauchen Sie viel Geduld, denn das Setup eines IPSEC Servers ist unter Linux nicht ganz trivial. Sie benötigen min. die vier Pakete : pptpd, ipsec,pluto und xl2tpd . IPSEC wird z.b. von OpenSwan oder LibreSwan zur Verfügung gestellt.

Hürde 1: /etc/pptpd.conf

PPTP ist eine extrem simples und heute unsicheres VPN Protokoll von Windows, welches bereits mit Windows XP funktioniert. Es hat den einzigen Vorteil, daß es mit Windows ohne weitere Zusatzsoftware funktioniert. Wenn Sie das nicht benötigen oder auch nur den Hauch von Sicherheit haben möchten und auch nur der VDS ein Schnäppchen schlagen wollen, dann, und auch nur dann, können Sie das einsetzen.
# TAG: speed
speed 115200
 
# TAG: option
# Die Vorgabedatei ist an dieser Stelle falsch. Unter SuSE-Linux 8.1 
# befindet sich die „options“-Datei des PPP-Servers unter diesem Pfad.
option /etc/ppp/options.demo
 
# TAG: debug
debug
 
# TAG: localip
# TAG: remoteip
# In diesem Beispiel werden 11 IP-Adressen (192.168.0.200 bis 192.168.0.210 )
# für PPTP-Verbindungen zur Verfügung gestellt. Ein PPTP-Client erhält also eine dieser Adressen.
# localip 192.168.0.234
remoteip 192.168.0.200-210
 
# TAG: ipxnets
# Für die meisten Anwendungen wird IPX wahrscheinlich nicht mehr benötigt. 
# Entsprechend ist es hier ausgeklammert
#ipxnets 00001000-00001FFF
 
# TAG: listen lokale ipaddresse
listen a.b.c.d 
 
# TAG: pidfile
pidfile /var/run/pptpd.pid
/etc/ppp/options.demo:
 
#debug
#debug dump 
lock
refuse-chap 
# Aktiviert die 128-bit Verschlüsselung. Verbindungen lassen sich nur verschlüsselt aufbauen
 
require-mppe 
require-mschap-v2
noipx
 
# Add an entry to this system’s ARP [Address Resolution Protocol]
# table with the IP address of the peer and the Ethernet address of this
# system. {proxyarp,noproxyarp}
proxyarp
 
# Specify which DNS Servers the incoming Win95 or WinNT Connection should use
# Two Servers can be remotely configured
ms-dns 8.8.8.8
Die IP 8.8.8.8 ist das Google DNS Cache und kann gegen den DNS Ihres Rechenzentrumsbetreibers ausgetauscht werden.
Weiter geht es mit der Xl2tpd Konfiguration:
/etc/xl2tpd/l2tp-secrets
# Secrets for authenticating l2tp tunnels
# us          them secret
# * marko      blah2
# zeus marko blah
# *         *          interop
 
* * HierkommtIhrTunnelPassworthin!
„* *“ meint, auf jede unserer IPs von jeder externen IP. Also einfach von überall auf der Welt wird das gleiche Passwort benutzt. Sie können aber für bestimmte IP Blöcke oder einzelne IPs eigene Passwörter verwenden. Damit kann man fein granulieren, wer Zugang bekommt und wer nicht.
Das L2TP ist erstmal nur für den sicheren Kanal zu Ihren VPN Server zuständig, es ist noch keine Authentifizierung oder Datenverschlüsselung erfolgt.
/etc/xl2tpd/xl2tpd.conf
[global]
listen-addr = a.b.c.d
debug tunnel = yes
 
[lns default]
ip range = 192.168.20.2-192.168.255.255
local ip = 192.168.20.1
assign ip = yes
require chap = yes
refuse pap = yes
require authentication = yes
name = OpenswanVPN
ppp debug = yes
pppoptfile = /etc/ppp/options.xl2tpd
length bit = yes
/etc/ppp/options.xl2tpd
ipcp-accept-local
ipcp-accept-remote
ms-dns  8.8.8.8
noccp
auth
crtscts
idle 1800
mtu 1410
mru 1410
nodefaultroute
debug
lock
proxyarp
connect-delay 5000

2. Hürde – IPSEC

 /etc/ipsec.conf
version 2.0 # conforms to second version of ipsec.conf specification
 
# basic configuration
config setup
plutodebug=“all“
plutostderrlog=  „/var/log/pluto.err“
# For Red Hat Enterprise Linux and Fedora, leave protostack=netkey
protostack=netkey
nat_traversal=yes
# forceencaps=yes
virtual_private=%v4:10.0.0.0/8,%v4:174.16.0.0/12,%v4:192.168.0.0/16,%v4:!192.168.0.0/24
oe=off
# Enable this if you see „failed to find any available worker“
# nhelpers=0
 
#You may put your configuration (.conf) file in the „/etc/ipsec.d/“
include /etc/ipsec.d/*.conf
/etc/ipsec.d/demo.conf
 
conn roadwarrior2
# dpdaction=clear
authby=secret
type=tunnel
# disablearrivalcheck=no 
        auto=add
        pfs=no  
rekey=no
    
left=%defaultroute
leftnexthop=a.b.c.d             z.b. 543.44.89.131
leftprotoport=17/1701
leftrsasigkey=HIER KOMMT IHR SERVER RSA KEY HIN
        leftsubnet=a.b.c.d./MASKE z.b.  53.44.89.128/25
 
right=%any
rightsubnet=vhost:%no,%priv   
rightprotoport=17/%any
 
# rightsubnet=192.168.0.0/24
# rightnexthop=192.168.0.254
        rightrsasigkey=HIER KOMMT IHR CLIENT RSA KEY HIN
Jetzt noch fix die Passwörter für die Benutzer und wir sind schon durch. DIE RSA Keys können zum Automatischen Aufbau der Verbindung benutzt werden, dies ist z.B. bei VPN Gateways im Büro wichtig, wo niemand über eine Desktopoberfläche einen Usernamen und Passwort eintippt.
/etc/ppp/chap-secrets
 
# Secrets for authentication using CHAP
# client server secret   IP addresses
 
demo          *       „823Ksmx83ejdkso3,389dmdasd“     *
Damit können Sie sich als User demo, mit dem Passwort „823…“ von überall aus einloggen. Wie man an den „*“ sehen kann, ist eine Feinjustierung nach Usernamen, Ziel und QuellIP möglich. Tragen Sie statt der * einfach die IP ein, für die das Passwort gelten soll. Sie können beliebig viele Zeilen mit Passwörtern eintragen.
Nun Starten die ganzen Dienste noch und verbinden sich mit Ihrem Android Handy zu Ihren VPN Server. Geben Sie als erstes die IP des VPN Servers ein, dann das Tunnelpasswort und danach Benutzernamen und Passwort.
Sind Sie jetzt vor dem Überwachungsstaat geschützt ?
Jein. Ihre Internetkommunikation ist erstmal sicher ( außer mit PPTP als VPN ) , Ihre Privatsspähre bleibt damit etwas gewahrt. Zur VDS gehört aber auch eine Totalüberwachung wer mit wem  telefoniert hat. Dagegen kann Sie das VPN nur schützen, wenn sie einen eigenen VOIP Dienst auf Ihrem Server installieren und nur noch darüber mit Leuten „telefonieren“. Gegen die anlasslose Überwachung Ihres Telefonanschlußes und des Mobiltelefons können Sie an dieser Stelle nichts machen, außer es nicht mehr zu benutzen.
Wenn Sie sich zu diesem Schritt genötigt sehen, schliessen Sie sich bitte einer der vielen Initiativen gegen die VDS an und klagen Sie in Karlsruhe gegen die VDS. Denn genau das ist die Folge eines Überwachungsstaates, daß man sachen nicht mehr macht, auch wenn Sie nicht kriminell sind. Privatsspähre und Massenüberwachung passen nicht zusammen. Die zweifelhaften Aussagen von Politikern um die VDS zu rechtfertigen, sind ohnehin schon mehrfach als knallharte Lügen in den normalen Medien enttarnt worden.
Kleines Beispiel: Sigmar Gabriel gibt immer gern Norwegen und Breivik als Rechtfertigung an, Fakt ist aber, die haben den auf der Insel in Flagrantie erwischt, völlig ohne VDS, die es damals in Norwegen eh nicht gab. Auch in Frankreich hatte die VDS keinen Einfluß, weil die Täter bereits unter Überwachung durch den Staatsschutz standen. Wieviel das genutzt hat, konnte man Live im Fernsehen miterleben.
Gegen Brieftauben, tote Briefkästen und Wäscheleinencodes von Terroristen hilft im Übrigen nur die gute alte analoge Polizeiarbeit. Echt Profiterroristen können sie so nicht aufhalten oder identifizieren. Die machen genau das gleiche wie Sie: die VDS umgehen. Es gibt noch ein ganzes Rudel anderer Methoden, wie man Kommunikation effektiv verschleiern kann. Aber das ist für Sie zu viel Aufwand.

Probleme mit SELinux reparieren

SELinux mal wieder mal um die Ohren geflogen? Vielleicht kann dieser Artikel helfen.

Es war einmal eine neue SSD …

Vor einigen Tagen habe ich meine Systemfestplatte durch eine SSD ersetzt. Da die ganze Platte verschlüsselt war, folgte ein ziemlich aufwändiger Prozess um die Inhalte zu kopieren. Dabei wurde SELinux allerdings vergessen, was dazu geführt hat, daß Linux danach nicht mehr ganz störungsfrei lief.

Alles in allem häuften sich Meldungen wie diese :

Mar 22 23:10:48 eve python: SELinux is preventing /usr/lib64/firefox/plugin-container from open access on the file .

Da stellt sich einem Admin erstmal die Frage, welches File er da nicht öffnen konnte und wieso nicht. Leider bleibt diese Frage unbeantwortet, da das Audit von SELinux dazu schweigt. Dummerweise weiss man nicht welche Datei gemeint ist und was falsch sein könnte. Solange mein Bugreport nicht zu einer Änderung führt, werden wir das auch nie erfahren, da nicht mal strace herausfindet, welche Datei gemeint ist.

Wie Anfangs schon erwäht, wurden Daten von einer Platte auf eine andere kopiert und letztlich war das das Problem.

Was macht SELinux ?

SELinux (ab jetzt nur SEL ) kennt für fast jede Datei einen Zugriffscontext, fcontext genannt. Mit einem ls sieht man diesen Context nicht gleich, dazu muß man die -Z Option benutzen :

# ls -lad /home/
drwxr-xr-x. 4 root root 4096 20. Mär 07:03 /home/

# ls -ladZ /home/
drwxr-xr-x. root root system_u:object_r:home_root_t:s0 /home/

Das Verzeichnis /home/ hat also als Defaultcontext „home_root_t“ ( die enden fast alle auf _t, nicht fragen ). Alle Dateien in /home/ bekommen auch erstmal diesen Context. Programm die in einem Context gestartet wurden, können erstmal nicht auf Dateien in einem anderen Context zugreifen. Das verhindert, daß man durch den Hack z.b. des Apache Webservers auf systemrelevante Dateien zugreifen kann, auch wenn man durch den Hack Rootuser geworden ist. An sich eine Supersache was Security angeht.

Damit das klappt gibt es unter „/etc/selinux/targeted/contexts/files“ eine Liste mit Contexten, die Dateien zugeordnet sind. Wenn man jetzt TAR benutzt um den Inhalt einer Platte von A-> B zu kopieren, geht der Context verloren, aber SELinux findet beim Start seine Configdateien und handelt danach.

Jetzt wurden aus Platzgründen auf der SSD diese Dateien beim Kopieren beschädigt, weswegen der Rechner überhaupt gebootet hat, weil damit der Regelsatz gelöscht war. Da aber andere Dateien mit Contexten versehen wurden, was automatisch beim Anlegen einer Datei passiert (z.b. mit cp a b/) , gab es einige Contexte und andere nicht. Besonders das Home-Verzeichnis strotzt nur so vor Contexten.

Jede Fehlermeldung von SELinux wird dem User präsentiert. Dazu poppt auf dem Desktop eine Warnung auf. In dieser Warnung steht auch, was man dem System zu sagen hat, damit es diesen Zugriff zuläßt. Diese Ausnahmen muß es geben, damit Programme über verschiedene Contexte hinweg Daten austauschen können, z.b. Dateien per SSH ins Webverzeichnis spielen, per Samba Dateien kopieren usw.

Heute morgen hat das Chaos dann komplett zugeschlagen. Systemd konnte nicht mehr booten, da erneut SEL-rechte geändert wurden. Das führte zum komischsten Bootbug bisher. „failure to access /dev/initctl“, wo Systemd auf den „initctl“ Socket nicht mehr zugreifen konnte, also auf den eigentlichen Initprozess.

Wie man es behebt

In meinem Fall habe ich von der „alten“ Platte gebootet und systemd neu installiert, damit waren die komischen Bootprobleme behoben, aber die Gnomeshell startete trotzdem nicht. Was im Einzelnen nicht lief, lies sich nicht feststellen, damit man nicht mal mehr im Debugmodus ins System kam.

Abhilfe schaffte das Abschalten von SEL in /etc/selinux/config :

# This file controls the state of SELinux on the system.
# SELINUX= can take one of these three values:
#     enforcing – SELinux security policy is enforced.
#     permissive – SELinux prints warnings instead of enforcing.
#     disabled – No SELinux policy is loaded.
SELINUX=permissive
#SELINUX=enforcing
# SELINUXTYPE= can take one of these two values:
#     targeted – Targeted processes are protected,
#     minimum – Modification of targeted policy. Only selected processes are protected.
#     mls – Multi Level Security protection.
SELINUXTYPE=targeted

Der Permissive Modus ist eine Art Debugmode, SEL meckert zwar über die Sicherheitsprobleme, verhindert Sie aber nicht. Damit kann das System wieder booten und man kann die SEL Einstellungen und Probleme reparieren.

Ursachenbeseitigung

Wie sich nach nun umfassender Analyse der SEL Konfigurationen gezeigt hat, war der Policyordner defekt. Dateien mit 0 Bytegröße waren die Regel ( weil die Platte zwischenzeitlich voll war ) .

Das Verzeichnis /etc/selinux/targeted stellt den Regelsatz dar, den SEL befolgen soll, so stehts in der config (siehe oben). Diesen Ordner löscht man und ersetzt ihn anschliessend mit einer alten Kopie. In meinem Fall, von der alten Festplatte. Die Verzeichnisstruktur hat sich nicht geändert, also paßt der Regelsatz, da er „Laufwerke“ nicht beachtet, sondern nur „Pfade“ enthält. Der Name des Bootdevices spielt also keine Rolle.

Nun gibt man noch ein :

# restorecond -R -v /*

Das dauert eine Weile, weil alle Files auf der Platte auf den im Regelsatz enthaltenen Wert zurück gesetzt werden. Mit einer SSD ist man in Minuten durch, mit einer SATA dauert es eine halbe Ewigkeit. Vor den vielen Ausgaben nicht erschrecken, es werden fast alle Dateien auf der Platte gerichtet!

Nun stellt man noch SEL in der /etc/selinux/config auf enforcing um :

# SELINUX=permissive
SELINUX=enforcing

Nun kann man rebooten und der Rechner läuft wieder.

Kleiner Tip an die Gemeinde: Kauft gleich eine TB große SSD, wenn Ihr Videos auf der Platte habt. Spart euch das Linken auf die alte Platte, damit spart Ihr euch eine Menge zusätzlichen Ärgers. Das Musik-  und Videos-Verzeichnis hat genauso Contexte wie alles andere und die müssen passen.

So habe ich das gemacht :

# ls -ladZ /home/marius/Videos
lrwxrwxrwx. marius marius unconfined_u:object_r:user_home_t:s0 /home/marius/Videos -> /sata_home/marius/Videos

]$ ls -ladZ /sata_home /sata_home/marius/
drwxr-xr-x. root root system_u:object_r:user_home_dir_t:s0 /sata_home/
drwx——. marius marius unconfined_u:object_r:user_home_dir_t:s0 /sata_home/marius/

In der /etc/fstab dann noch :

/dev/mapper/luks-53246778-9093-123d-235b-4f35522234211 /sata_home ext4 defaults,x-systemd.device-timeout=0 1 2

Eingetragen um die alte Home Partition als /sata_home zu mounten. Da die Passwörter für die Platten gleich sind ( beim Einrichten & Partitionieren der neuen Platte einfach so eintippen ) , wird diese Lukspartition auch automatisch beim Booten entschlüsselt und kann dann gemountet werden.