WIFI: Die FRAGATTACK Apokalypse

Ja, der Titel wäre Click-Bait, wenn es nicht wirklich so schlimm wäre, wie es ist: praktisch jeder Wifi-Stack der bis heute produziert wurde, ist für die FragAttack anfällig.

WIFI: Die FRAGATTACK Apokalypse

Der Name FragAttack ist hier nicht wie sonst üblich ein Akronym für irgendwas langes, sondern bezieht sich ausnahmsweise mal auf die Grundlage des Angriffs: Fehler bei Zusammenfügen von Paketfragmenten.

„Fragmentierung“ meint, daß einzelne große Datenpakete, die nicht durch das Netz/Kanal passen, in kleinere Pakete aufgeteilt und beim Empfänger wieder zusammen gesetzt werden. Das passiert bei IP-Datenpaketen im normalen Netz auch laufend, ist an sich nicht besonderes.

Die Schwachstellen sind in praktisch jeder Implementierung von WEP bis WPA3 enthalten, wobei nicht jede davon überall sein muß.

12 Fehler sollt Ihr sein

Insgesamt wurden 12 Schwachstellen in verschiedenen Implementierungen bzw. dem Wifi-Protokoll an sich gefunden;

CVE-2020-24588: Akzeptieren von nicht-SPP A-MSDU-Frames
CVE-2020-24587: Wiederzusammensetzen von Fragmenten, die unter verschiedenen Schlüsseln verschlüsselt wurden
CVE-2020-24586: Fragmente werden nicht aus dem Speicher gelöscht, wenn eine (erneute) Verbindung zu einem Netzwerk hergestellt wird
CVE-2020-26145: Akzeptieren von Klartext-Broadcast-Fragmenten als vollständige Frames (in einem verschlüsselten Netzwerk)
CVE-2020-26144: Akzeptieren von Klartext-A-MSDU-Frames, die mit einem RFC1042-Header mit EtherType EAPOL beginnen (in einem verschlüsselten Netzwerk)
CVE-2020-26140: Akzeptieren von Klartext-Datenframes in einem geschützten Netzwerk
CVE-2020-26143: Akzeptieren von fragmentierten Klartext-Datenframes in einem geschützten Netzwerk
CVE-2020-26139: Weiterleitung von EAPOL-Frames, obwohl der Absender noch nicht authentifiziert ist
CVE-2020-26146: Wiederzusammensetzen von verschlüsselten Fragmenten mit nicht-fortlaufenden Paketnummern
CVE-2020-26147: Wiederzusammensetzen von gemischten verschlüsselten/Klartext-Fragmenten
CVE-2020-26142: Verarbeitung von fragmentierten Frames als vollständige Frames
CVE-2020-26141: Keine Verifizierung des TKIP-MIC von fragmentierten Frames

„CVE-2020-24587: Wiederzusammensetzen von Fragmenten, die unter verschiedenen Schlüsseln verschlüsselt wurden“ Ist ein Paradebeispiel dafür, daß ganz schlicht jemand einfach mal eine kleine „if ( oldkey == actualkey)“ Abfrage im Code vergessen hat. Wenn man den Testfall nicht dabei hat, weil man nur ein Netz mit nur einem Schlüssel hat, dann kann das schon einmal passieren.

Die Hacker News schreiben dazu, daß Mathy Vanhoef, ein Sicherheitsforscher der New York University Abu Dhabi, die Probleme auf weit verbreitete Programmierfehler zurückführt.

„Ein böser Akteur kann diese Schwachstellen ausnutzen, um beliebige Netzwerkpakete zu injizieren, Benutzerdaten abzufangen und zu exfiltrieren, Denial-of-Service-Angriffe zu starten und möglicherweise sogar Pakete in WPA- oder WPA2-Netzwerken zu entschlüsseln.“

Es sind sogar Angriffe denkbar bei denen  in das Netz oder am Netz beteiligte Rechner eingebrochen werden kann. Dabei wären dann Geräte interessant die keine Updates mehr bekommen haben, wie z.B. so ziemlich jedes Androidgerät älter als 2 Jahre, Windows XP/7 oder Macs.

Die Wifi-Allianz hat in einer mehr als neunmonatigen konspirativen Aktion sukzessive die Gerätehersteller kontaktiert und Updates verteilen lassen. Wohl dem, der die noch bekommt.

Für Windows wurden die Updates schon eingespielt, bei Linux sind auch bereits Patche in den Kernel eingeflossen, müssen aber noch etwas reifen. Da die Lücken nicht ganz so leicht auszunutzen sind, wie das vielleicht klingen mag, ist das „erst einmal“ kein Problem… bis es dann zum Problem wird 😉

Exploits sind nicht auszuschließen, also kümmert Euch am besten auch um Eure ganzen IoT Geräte, DSL-Router, Access-Points und Uralt-Androids.. wenn Ihr noch könnt.

Quelle: https://thehackernews.com/2021/05/nearly-all-wifi-devices-are-vulnerable.html

Programmerweiterung: Linux Presentation Day 2021.1 am 15.5.

Aus aktuellem Anlass gibt es eine Programmerweiterung für den LPD. Wir konnten Eximentwickler Heiko Schlittermann für ein Interview zur Lage der neuesten Sicherheitsfixe im Eximprojekt gewinnen, das ab 13 Uhr ausgestrahlt wird.

Linux Presentation Day 2021.1 am 15.5.

Der Beitrag von Linux am Dienstag zum LPD 2021.1 wird live aus Braunschweig gestreamt. Der Livestream ist ab Samstag auf der gleichnamingen Webseite https://linux-am-Dienstag.de erreichbar.

Unser Programm

13:00 Special-Event: 21Nails – Interview mit Eximentwickler Heiko Schlittermann
14:00 „Willkommen beim Pinguin“ – Der Einführungsevent
14:30 „Keine Angst vor Gnome“ – Einführung in Linux Desktops
15:30 „Daten sicher in der Cloud ablegen“ – Ein bisschen Linux Magie und es geht auf Kopfdruck.
16:00 „Wieso ich Linux möchte“ – Eine Reflektion der Sehnsucht
16:30 „Wieso Spamfilter schlecht sind?“ – Sind sie es wirklich?
17:00 „Wie tickt eigentlich mein Desktop“ – Technikbeitrag wie Programme gestartet werden.
17:30 „Ein Tag im Leben eines PinePhones“ – Das Linux Smartphone stellt sich vor.

Selbstverständlich sind wir am Samstag den 15.5. nun auch schon ab 13 Uhr im Live-Chat erreichbar.

 

Sicherheitslücke: WordPress < 5.7.1 updaten

Liebe Kollegen und Leser des OSBN,

sofern Sie WordPress einsetzen, achten Sie heute auf Updates des WordPresscores auf 5.7.1+ . Nicht alle WordPressinstallationen updaten sich auch wirklich immer zuverlässig, daher im Zweifel einfach mal nachschauen.

Das BSI hat heute vor einer aktuellen Lücke in WordPress < 5.7.1. gewarnt. Über die geschlossene Lücke können Angreifer Daten der WordPressinstallation erbeuten. Da nicht näher erklärt wird, was das für Daten sind, darf man ruhig annehmen, daß auch Zugangsdaten erbeutet werden können.

Bei WordPress heißt es dazu:

Security Updates

Two security issues affect WordPress versions between 4.7 and 5.7. If you haven’t yet updated to 5.7, all WordPress versions since 4.7 have also been updated to fix the following security issues:

  • Thank you SonarSource for reporting an XXE vulnerability within the media library affecting PHP 8.

  • Thanks Mikael Korpela for reporting a data exposure vulnerability within the REST API.

Ich rate jedem zu einem Update, falls es nicht automatisch geklappt hat. Selbst wenn man am Ende nicht an Zugangsdaten hätte kommen können, lieber einmal mehr Updaten, als einmal zu wenig.