Outlook hat Emailverbindung nicht verschlüsselt

Ja, das Fedora 43 Update hatte eine spannende Offenbarung für alle Outlook Benutzer zur Folge, von der Microsoft nicht begeistert sein wird.

Outlook hat Emailverbindung nicht verschlüsselt

und das, obwohl SSL/TLS in den Kontoeinstellungen nachweislich aktiviert war.

Aber der Reihe nach… Ende Mai haben wir turnusgemäß unser ServerOS aktualisiert. Dabei wurde Fedora 42 mit Dovecot 2.3.x durch Fedora 43 und Dovecot 2.4.3 ersetzt. Dies erforderte nicht nur eine komplett neue Konfiguration, es verhinderte auch, daß über einen unsicheren Kanal Passwörter in Klartext übermittelt werden.

Wenn jemand das tat gab es in Outllook diesen Fehler zu bestaunen:

„-ERR [AUTH] Cleartext authentication disallowed on non -secure ( SSL/TLS ) connections.“ stammt tatsächlich vom Dovecot. Die kommt, wenn man über Port 110 mit Netcat (oder telnet 😀 )  eine Verbindung aufbaut und „USER“ / „PASS“ direkt da reinschreibt. Das wäre ein Klartextpasswort über einen Klartextport und das mag Dovecot nicht mehr, was gut so ist.

„Wir hatten doch SSL/TLS aktiviert!“ 

meldeten die Kunden und hatten Recht, es war SSL/TLS bei den Konto aktiviert, nur leider juckte Outlook das nicht, weil als PORT 110 für POP3 eingetragen war, hat Outlook statt einer „Das paßt aber so nicht zusammen Benutzer!„-Meldung einfach NICHTS gemacht und die Verbindung einfach nicht verschlüsselt, weil 110 der Klartextport ist und man für SSL 995 hätte angeben müssen. Beobachtet haben wir bislang nur POP3 Port 110, ich geh aber davon aus, daß es bei IMAP auch ist.

Mutmaßliches (latest) Outlook für MacOs

Ergo, haben Kunden wohl seit mehr als einem Jahrzehnt Ihre Emails im irrigen Glauben an die aktivierte Verschlüsselung stattdessen im Klartext abgeholt. Zur Zeit liegen mir passende Screenshots von Outlook vor, einzig die Versionsnummern fehlen noch, obwohl einer hatte noch Outlook 2007 im Einsatz. Gehen wir mal von der Annahme aus, daß alle nachfolgenden auch diesen Fehler hatten, da gleichlautende Meldungen auch von Outlook 2016 und neuer bekannt wurden, ist die Sicherheitslücke praktisch 20 Jahre im Einsatz und wäre nie aufgefallen, wenn Dovecot nicht was dagegen gehabt hätte.

Regress“ und „Schadensersatz

sind so Worte, die einem dabei durch den Kopf gehen. Den Schaden haben alle, die nach DSGVO zum Verschlüsseln der Emails verantwortlich gewesen sind und sich darauf verlassen haben, daß aktiviertes „SSL/TLS“ auch eine Verschlüsselte Verbindung bedeutet.

Den Serverbetreibern kann man hier keinen Vorwurf machen, da der Server nicht hellsehen kann, reagiert(e) er früher auf eine Klartextverbindung  wie das im POP3 RFC vorgesehen ist. Selbst wenn man jetzt eine verschlüsselte Passwortübertragung auf Klartextport benutzt, ändert das nichts daran, daß die unverschlüsselte Übertragung der Email selbst für Unternehmen und Organisationen ein Gesetzesverstoß ist.

Wenn diese Meldung bei betroffenen Unternehmen publik wird, könnte Microsoft ein kleines finanzielles Loch entstehen.

Kleines Reddit Update:

Auf Reddit kam die Frage auf, wieso man unverschlüsselte Passwort-Auth überhaupt zulässt. Das ist ganz einfach: Kompatibilität. Auf diese Server prasseln Verbindungen aus der ganzen geographischen und IT-Welt ein, meint: Du hast keine Chance einen einheitlichen Standard durchzusetzen, ohne dabei 10% der Nutzer auf die Füße zu treten. Solange der Transportkanal modern verschlüsselt ist, besteht IMHO auch kein Grund auf eine komplizierte Methode auszuweichen, da es keinen zusätzlichen Schutz bietet. Wichtiger wäre, Verbindungen über Klartextports nur noch mit STARTTLS zu erlauben, weil das wirklich die Mail und nciht nur die Auth schützen würde.

Was so eine Änderung in der Realität bedeutet, möchte mal nur an einer Mailprogrammauflistung darstellen:

Thunderbird für Linux, MacOs, Windows
Outlook 2007 Windows 7
Outlook 2013 Windows 8
Outlook 2016 Windows 10+11
Outlook 2019 Windows 10+11
Outlook 2024 Windows 11
Outlook for MacOS ( diverse inkompatible Versionen)
AppleMail ( einer der schlimmsten Clienten überhaupt )
Evolution ( Linux )
The Bat ( das war echt übel damals )
Geary ( Linux )
k9 Mail
Mail for Android
Java Mailx
Avira AntVir
Kaspersky
Avast
Bitdefender
Norten
G Data
M$ Defender
Sophos

und die Liste geht weiter und weiter und weiter.

Alle diese Programme müssen mit dem Server reden können und jeder spricht ein klein wenig anders mit dem Server. Sehr beliebt bei Mailfehlern sind die Antiviren MITM-Attacken wo sich das Mailprogramm zu einem lokalen Proxy verbindet, statt zum echten Server. Da knallt es alle Naselang, weil diese Software mit der heißen Nadel gestrickt geworden zu scheint.

Wenn man in dem Konglomerat von Mailklienten auch nur auf die Idee kommt, Plaintext als Authmethode nicht mehr anzubieten, dann macht sich das direkt proportional auf Deinem Gehaltscheck bemerkbar, weil Deine Kunden nämlich folgenden Standpunkt einnehmen: „Lief doch gestern noch!“

Schon dieser Outlook Bug hat Wellen geschlagen und das will man als Anbieter nicht wirklich. Stellt Euch mal vor, was erst passiert, wenn man Plaintext abschaltet und die ganzen Antivirenprogramme failen… da bin ich dann im Urlaub 😀

Update:

1. es gibt einen Nachfolgeartikel zur Frage on IMAP sicherer ist als POP3
2. Es kam die Frage nach der Orptunistischen Verschlüsselung auf, wobei es mit Klartext anfängt und dann wenns geht, verschlüsselt wird, wozu der Server STARTTLS können muß: Ja, können die natürlich alle.
3. Wenn Ihr darüber nachdenkt, setzt nicht Maßstäbe von 2026 ein, sondern von < 2010, da war SSL Luxus und vor allem meinte die SSL/TLS Checkbox auch wirklich SSL/TLS und gerade NICHT STARTTLS. Die meisten betroffenen Konten werden auch nicht in 2025 eingerichtet worden sein, sondern wurden über Jahrzehnte mit geupgraded, was das völlig erklären würde, weil das vom Entwicklerstandpunkt her ein echtes Problem darstellt, so lange Rückwärtskompatibel zu sein, ohne das was zerbricht.

Neues Mitglied im TLS 1.3 Verweigererclub: The Boeing Company

Für die nachfolgende Betrachtung eines TLS Verweigerers wäre es günstig, wenn Ihr das hier gelesen habt:

SMTP: pphosted.com trifft auf moderne SSL-Technik

ProofPoint Hosted hat seine Probleme schon vor einer Weile behoben, aber wie heute bekannt wurde, haben wir im TLS 1.3 Verweigerer Club ein prominentes neues Mitglied: The Boeing Company 

Genau die Firma, wo dauernd Teile von den Flugzeugen und Raumschiffen abfallen 🙂 Im Gesamtbild betrachtet ergibt das ja dann auch irgendwie Sinn 😉

Jetzt kann ich viel behaupten, also Beweise her: Aufgenommen Heute, 29.5.2025 12:0x Uhr

1. Die Mailserver ermitteln

$ dig mx boeing.com

; <<>> DiG 9.18.33 <<>> mx boeing.com
;; global options: +cmd
;; Got answer:
;; ->>HEADER<<- opcode: QUERY, status: NOERROR, id: 34226
;; flags: qr rd ra; QUERY: 1, ANSWER: 12, AUTHORITY: 0, ADDITIONAL: 1

;; OPT PSEUDOSECTION:
; EDNS: version: 0, flags:; udp: 4096
;; QUESTION SECTION:
;boeing.com. IN MX

;; ANSWER SECTION:
boeing.com. 86400 IN MX 10 phx-mbsin-02.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 phx-mbsin-01.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 clt-mbsin-04.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 clt-mbsin-03.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 clt-mbsin-02.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 clt-mbsin-01.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 ewa-mbsin-04.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 ewa-mbsin-03.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 ewa-mbsin-02.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 ewa-mbsin-01.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 phx-mbsin-04.mbs.boeing.net.
boeing.com. 86400 IN MX 10 phx-mbsin-03.mbs.boeing.net.

2. einige davon auf TLS 1.3 testen

# openssl s_client –connect clt-mbsin-01.mbs.boeing.net.:25 -starttls smtp -tls1_3
Connecting to 130.76.144.154
CONNECTED(00000003)
80322E30907F0000:error:0A000410:SSL routines:ssl3_read_bytes:ssl/tls alert handshake failure:ssl/record/rec_layer_s3.c:909:SSL alert number 40

no peer certificate available

No client certificate CA names sent

SSL handshake has read 370 bytes and written 265 bytes
Verification: OK

New, (NONE), Cipher is (NONE)
This TLS version forbids renegotiation.
Compression: NONE
Expansion: NONE
No ALPN negotiated
Early data was not sent
Verify return code: 0 (ok)

# openssl s_client –connect ewa-mbsin-02.mbs.boeing.net:25 -starttls smtp -tls1_3
Connecting to 130.76.20.187
CONNECTED(00000003)
80B27B732E7F0000:error:0A000410:SSL routines:ssl3_read_bytes:ssl/tls alert handshake failure:ssl/record/rec_layer_s3.c:909:SSL alert number 40

no peer certificate available

No client certificate CA names sent

SSL handshake has read 370 bytes and written 301 bytes
Verification: OK

New, (NONE), Cipher is (NONE)
This TLS version forbids renegotiation.
Compression: NONE
Expansion: NONE
No ALPN negotiated
Early data was not sent
Verify return code: 0 (ok)

3. beweisen, daß wir stellvertretend mit einem davon TLS 1.2 reden können:

(verkürzte Ausgabe, das Cert brauchen wir nicht in Hexlesen können )

# openssl s_client –connect phx-mbsin-04.mbs.boeing.net:25 -starttls smtp -tls1_2
Connecting to 130.76.184.173
CONNECTED(00000003)
depth=2 C=US, O=DigiCert Inc, OU=www.digicert.com, CN=DigiCert Global Root G2
verify return:1
depth=1 C=US, O=DigiCert Inc, CN=DigiCert Global G2 TLS RSA SHA256 2020 CA1
verify return:1
depth=0 C=US, ST=Illinois, L=Chicago, O=The Boeing Company, CN=phx-mbsin-04.mbs.boeing.net
verify return:1

Certificate chain
0 s:C=US, ST=Illinois, L=Chicago, O=The Boeing Company, CN=phx-mbsin-04.mbs.boeing.net
i:C=US, O=DigiCert Inc, CN=DigiCert Global G2 TLS RSA SHA256 2020 CA1
a:PKEY: rsaEncryption, 2048 (bit); sigalg: RSA-SHA256
v:NotBefore: Aug 7 00:00:00 2024 GMT; NotAfter: Aug 12 23:59:59 2025 GMT
1 s:C=US, O=DigiCert Inc, CN=DigiCert Global G2 TLS RSA SHA256 2020 CA1
i:C=US, O=DigiCert Inc, OU=www.digicert.com, CN=DigiCert Global Root G2
a:PKEY: rsaEncryption, 2048 (bit); sigalg: RSA-SHA256
v:NotBefore: Sep 24 00:00:00 2020 GMT; NotAfter: Sep 23 23:59:59 2030 GMT
2 s:C=US, O=DigiCert Inc, OU=www.digicert.com, CN=DigiCert Global Root G2
i:C=US, O=DigiCert Inc, OU=www.digicert.com, CN=DigiCert Global Root G2
a:PKEY: rsaEncryption, 2048 (bit); sigalg: RSA-SHA256
v:NotBefore: Aug 1 12:00:00 2013 GMT; NotAfter: Jan 15 12:00:00 2038 GMT

Server certificate

subject=C=US, ST=Illinois, L=Chicago, O=The Boeing Company, CN=phx-mbsin-04.mbs.boeing.net
issuer=C=US, O=DigiCert Inc, CN=DigiCert Global G2 TLS RSA SHA256 2020 CA1

Acceptable client certificate CA names
C=US, O=DigiCert Inc, OU=www.digicert.com, CN=DigiCert Global Root G2
Client Certificate Types: RSA sign, DSA sign, ECDSA sign
Requested Signature Algorithms: RSA+SHA512:DSA+SHA512:ECDSA+SHA512:RSA+SHA384:DSA+SHA384:ECDSA+SHA384:RSA+SHA256:DSA+SHA256:ECDSA+SHA256:RSA+SHA224:DSA+SHA224:ECDSA+SHA224:RSA+SHA1:DSA+SHA1:ECDSA+SHA1
Shared Requested Signature Algorithms: RSA+SHA512:ECDSA+SHA512:RSA+SHA384:ECDSA+SHA384:RSA+SHA256:ECDSA+SHA256:RSA+SHA224:ECDSA+SHA224
Peer signing digest: SHA512
Peer signature type: RSA
Server Temp Key: ECDH, prime256v1, 256 bits

SSL handshake has read 5183 bytes and written 395 bytes
Verification: OK

New, TLSv1.2, Cipher is ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384
Server public key is 2048 bit
Secure Renegotiation IS supported
Compression: NONE
Expansion: NONE
No ALPN negotiated
SSL-Session:
Protocol : TLSv1.2
Cipher : ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384
Session-ID: F851762BA22AB5420F8B567A8497D6C5A23EE86984316B6D69A52DC89D50EC90
Session-ID-ctx:
Master-Key: 8F769C7F3910F70E26288F83282A84CBB4C598F041A0D84017AD96978582D48E616D7AFF8AC250E471A9354CEBBF53F8
PSK identity: None
PSK identity hint: None
SRP username: None
TLS session ticket lifetime hint: 1 (seconds)
TLS session ticket:
0000 – 81 13 9b c2 a5 94 8a cf-64 42 b4 b5 bd 33 9d 63 ……..dB…3.c
0010 – a0 08 c2 78 9f 07 ef 54-53 bd 80 35 4d 7d 8c 44 …x…TS..5M}.D
0020 – 38 ab 14 3d 4a 56 df 7e-d6 5d 9e a4 46 a8 02 0b 8..=JV.~.]..F…
0030 – 50 5d 9e 4c 85 53 2d 4c-4e 12 e9 3d 87 43 4d 78 P].L.S-LN..=.CMx
0040 – 46 e4 6b cb fd 30 71 8d-fe 4c 8a 7f 3f 21 1f 1e F.k..0q..L..?!..
0050 – 46 3a 40 02 79 07 ca 65-dd b7 50 3f 91 4b ff 7f F:@.y..e..P?.K..
0060 – 91 3b 26 78 97 44 f7 cb-11 a4 9e 31 0c e7 06 9b .;&x.D…..1….
0070 – 4f d1 da c6 32 b8 6e 3e-3e d9 40 31 02 17 99 45 O…2.n>>.@1…E
0080 – 29 3e 17 82 9e a4 ed ab-f6 e2 c7 49 c4 43 0d a9 )>………I.C..
0090 – c1 fb 21 3b 05 cb 4f 96-76 49 02 5b 54 92 0b 03 ..!;..O.vI.[T…
00a0 – 80 19 d8 08 cc 6a 40 63-a3 02 9b 78 17 a1 d8 2e …..j@c…x….
00b0 – 26 91 85 1e ee 7d 5f 4c-f5 a5 69 2b b1 52 a5 51 &….}_L..i+.R.Q

Start Time: 1748512677
Timeout : 7200 (sec)
Verify return code: 0 (ok)
Extended master secret: no

250 HELP

QED.

Das könnte der neue Slogan sein: „Boeing – digital wie analog veraltet“ 😉

 

Datenschutz – TLS Zwang beim Transport von Emails

Aus gegeben Anlass, daß Juristen, Manager und Admins die titelgebende Aussage verneinen, hier eine kleine, aber belastbare Zusammenfassung der Lage. All das hier gilt nur für Unternehmen oder Organisationen die zum Datenschutz verpflichtet sind, also bis auf Privatpersonen alle!

Datenschutz – TLS Zwang beim Transport von Emails

Es war 2018 als die Datenschutz Grundverordnung final in Kraft trat, als der Landesdatenschutz NRW folgendes Dokument verfasste:

LDI-NRW-E-Mail-Verschluesselung-BSI-TR-03108-1-2018-03-26

Darin war erstmal erwähnt, daß der Einsatz von Verschlüsselung für Datenschutzverantwortliche auch beim Transport von Email gilt. Geglaubt hat es leider kaum jemand 🙁

2018 hatte ich auch Kontakt zum Bundesdatenschutz und indirekt zur Deutschen Datenschutzkonferenz ( DDSK ), denen ich Auswertungen zum Einsatz von TLS geben konnte,  die die DDSK überzeugte, daß „Nicht-Verschlüsseln“ nicht mehr geht, weil das schon so viele können. (75% aller Verbindungen waren damals verschlüsselt.)

Seitdem habe ich immer wieder von Leuten gehört, daß mit der TLS Verschlüsselungspflicht wäre Blödsinn. Das muß anderen auch so gegangen sein, weil die DDSK 2021 eine Orientierungshilfe dazu verfasst hat, die eindeutiger nicht sein könnte:  Orientierungshilfe E-Mail-Verschluesselung.pdf

Wer das PDF nicht mag, der LDI NRW hat die aktuelle Fassung (2021) zusammengefasst:

https://www.ldi.nrw.de/technische-anforderungen-technische-und-organisatorische-massnahmen-beim-e-mail-versand

Stichwort: Obligatorische Verschlüsselung ( Seite 7 5.1. ) als Basisschutz ist Pflicht.

Wer wissen will woher das kommt

Die Pflicht zur Verschlüsselung leitet sich wie folgt her:

Artikel 32 DSGVO
Sicherheit der Verarbeitung
(1) Unter Berücksichtigung des Stands der Technik, der Implementierungskosten und der Art, des Umfangs, der
Umstände und der Zwecke der Verarbeitung sowie der unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des
Risikos für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen treffen der Verantwortliche und der Auftragsverarbeiter
geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, um ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau zu
gewährleisten; diese Maßnahmen schließen unter anderem Folgendes ein:
a) die Pseudonymisierung und Verschlüsselung personenbezogener Daten;

Bezogen auf Emails ist der Stand der Technik in 2024 : TLS 1.3

Die Implementierungkosten sind IMHO gerundet 0 €, weil das jede aktuelle Mailserversoftware direkt können sollte.
( Wenn nicht kann die Software auch gleich gelöscht werden, weil Schrott.)

Daraus ergibt sich dann, das a) fraglos anzuwenden ist, weil die anderen Gründe nicht als zusätzlich „Hürden“ greifen,
denn 0 € Kosten ist das Killerargument schlechthin.

Das BDSG hat das etwas besser formuliert:

Bundesdatenschutzgesetz §64 Abs. 3 Ziff. 1-14

Anforderungen an die Sicherheit der Datenverarbeitung
(3) 2. Verhinderung des unbefugten Lesens, Kopierens,
Veränderns oder Löschens von Datenträgern
(Datenträgerkontrolle),
(3) 8. Gewährleistung, dass bei der Übermittlung
personenbezogener Daten sowie beim Transport von Datenträgern
die Vertraulichkeit und Integrität der Daten geschützt werden
(Transportkontrolle)
,

Dies reicht eigentlich schon aus, aber wer Zweifel hatte, wie „Verarbeitung“ ist so definiert wurde:

Artikel 4 DSGVO

2. „Verarbeitung“ jeden mit oder ohne Hilfe automatisierter
Verfahren ausgeführten Vorgang oder jede solche
Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten
wie das Erheben, das Erfassen, die Organisation,
das Ordnen, die Speicherung, die Anpassung oder Veränderung,
das Auslesen, das Abfragen, die Verwendung, die
Offenlegung durch Übermittlung, Verbreitung oder eine andere
Form der Bereitstellung, den Abgleich oder die
Verknüpfung, die Einschränkung, das Löschen oder die
Vernichtung;

Jetzt der nötige LOGIK Teil:

Man muß nur Emails verschlüsseln, die Personenbezogenen Daten enthalten.

Da man nie vorher wissen kann, wann einem jemand Personenbezogene Daten schickt,
ergibt sich aus der Pflicht, diese zu verschlüsseln, der Umstand,
immer zu verschlüsseln, weil nachträgliche Verschlüsselung einer bereits durchgeführten
Übermittlung logisch und praktisch nicht  möglich ist. QED.

Das Jahr 2024

Ich habe erst letzte Woche die eine BUNDESBEHÖRDE angeschrieben, weil die auch Emails in Klartext annehmen. Dazu heißt es in der Orientierungshilfe von der DDSK:

Seite 7  5.1. obligatorische Transportverschlüsselung

Bei dem letztgenannten Verfahren (STARTTLS) kann die obligatorische Transportver-
schlüsselung durch entsprechende Konfiguration des sendenden MTA (Mail Transfer
Agent) erreicht werden die entsprechenden Konfigurationseinstellungen werden
(En)Forced TLS, Mandatory TLS o. ä. genannt. Unterstützt die Gegenstelle kein TLS,
dann wird der Verbindungsaufbau abgebrochen
. Einige MTA ermöglichen eine domä-

nenspezifische oder regelbasierte Spezifizierung dieses Verhaltens.

Bitte beachten Sie: „Unterstützt die Gegenstelle kein TLS, dann wird der Verbindungsaufbau abgebrochen.“ d.h. Klartextemaileinlieferungen sind zu unterbinden.

Das ist genau der Modus Operandi, den wir unseren Kunden seit 2015 anbieten und empfehlen.

Der TLS Zwang ist also nicht weg zu diskutieren, sondern im Gegenteil mehr als real!

Wie testet man sowas?

Linuxuser sind natürlich wie immer im Vorteil, weil Ihr das direkt am Heimischen PC testen könnt:

Die IP und Emailadresse werden hier mal unterdrückt, weil der Fall noch nicht abgeschlossen ist:

[root@s113 ~]# nc a.b.c.d 25
220 mx1.<DOMAIN>.de ESMTP Smtpd; Tue, 27 Feb 2024 20:21:48 +0100
HELO s113.resellerdesktop.de
250 mx1.<DOMAIN>.de Hello s113.resellerdesktop.de [83.246.80.131], pleased to meet you
MAIL FROM: <info@cloud-foo.de>
250 2.1.0 <info@cloud-foo.de>… Sender ok
RCPT TO: <email>
451 4.3.2 Please try again later
QUIT
221 2.0.0 mx1.<DOMAIN>.de closing connection

Diese Ablehnung  war „Greylisting“ vom <DOMAIN> Server, der wollte, das wir später nochmal kommen:

[root@s113 ~]# nc a.b.c.d 25
220 mx1.<DOMAIN>.de ESMTP Smtpd; Tue, 27 Feb 2024 20:31:30 +0100
HELO s113.resellerdesktop.de
250 mx1.<DOMAIN>.de Hello s113.resellerdesktop.de [83.246.80.131], pleased to meet you
MAIL FROM: <info@cloud-foo.de>
250 2.1.0 <info@cloud-foo.de>… Sender ok
RCPT TO: <email>
250 2.1.5 <email>… Recipient ok
DATA
354 Enter mail, end with „.“ on a line by itself
FROM: <info@cloud-foo.de>
TO: <email>
Subject: TEST EMAIL AUF SMTP SECURITY
Date: Tue, 27 Feb 2024 20:21:05 +0100

TEST EMAIL, KANN GELÖSCHT WERDEN

SECURITY TEAM Cloud-Foo.de
.
250 2.0.0 41RJVUwi012500-41RJVUwj012500 Message accepted for delivery

Ich empfehle einen Server in einem öffentlichen Netz zu nehmen, da der einen validen PTR Record haben wird. Was passiert, wenn Ihr keinen habt, erfahrt Ihr bei LINUX-AM-DIENSTAG.de am 5.März um 19 Uhr ! Popkorn mitbringen!!!

Also, obiger Mailserver nahm die Email unverschlüsselt an, was, wenn er sich hätte sicher sein können, daß keine Personenbezogenen Daten drin sind, auch ok gewesen wäre, aber das konnte er nicht. Dazu hätte es mehr als nur etwas KI gebraucht, nämlich Echte Intelligenz 😉

Hinweis: Wer obiges Beispiel nachspielen will, sollte seinen Hostnamen und seine Emailadresse eingeben, weil die Email sonst als SPAM erkannt wird 😀