mFUND oder wo unsere Steuern landen

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert über prototypefund.de mit 1,2 Millionen Euro Open Source Software, was das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur veranlaßte mal wieder die digitalen Neulandgeräte, sprich Smartphones, zu fördern:

http://www.bmvi.de/DE/DigitalesUndRaumentwicklung/DigitaleAgenda/Modernitaetsfonds/modernitaetsfonds_node.html

Am Ende soll Open Source Software dabei rauskommen, die bei GitHUB u.ä. hinterlegt sein muß. Da hätte man auch gleich „Freie Software“ fordern können, hätte man den Unterschied dazu gewußt. „Förderungswürdig“  wird beim MFUND übrigens so angegeben:

„Mit dem mFUND unterstützt das BMVI die Entwicklung digitaler Geschäftsideen, die auf Mobilitäts-, Geo- und Wetterdaten basieren. Dazu zählen z.B. neue Navigationsdienste, innovative Sharing-Plattformen, intelligente Reiseplaner oder hochpräzise Wetter-Apps.“

Wir haben Livewetterkarten mit Livefeed vom Satelliten, wozu brauchen wir noch mehr unnütze Wetterapps, die sich zudem alle widersprechen ? Das Wetter ist, wie es ist, da wo man halt grade ist. Verlassen kann man sich auf keine Wetterkarte, auch nicht bei Kachelmann oder dem hauseigenen Wetterfrosch. Nicht einmal aufs Wetter kann man sich verlassen, wie ein Test neulich bei einer Geburtstagsfeier im Freien ausdrücklich gezeigt hat: Eine Gewitterfront, die zielstrebig auf uns zu kam, meinte dann doch, daß die 70 km bis zu uns, für welche die Front knapp eine Stunde gebraucht hätte, den ganzen Aufwand nicht wert war und schwenkte dann einfach richtig England um. Dort wird sich die Schlechtwetterfront dann am Ende auch viel wohler gefühlt haben, mit all den anderen Schlechtwetterwolken, die üblicherweise in London ihr EU Hauptquartier haben.

Aber zurück zum mFUND: Wieviel Navigationsdienste glaubt man im BMVI eigentlich, braucht ein Autofahrer ? Könnte es sein, daß die Strecke freier wird, wenn alle anderen mit einer anderen App im Stau stehen ?  Oder nehmen wir  Filesharing, wie oft soll ich die eine Datei noch teilen ? Vor lauter Teilenbuttons kann man einige Webseiten schon gar nicht mehr als mit Inhalt versehen erkennen! Sollen wir jetzt auch noch eine Sharingapp bauen, welche die geteile Datei auf dem Handy des Freundes dann sofort/wahlweise/nie/irgendwann/nächsten Dienstag löscht ? also Snapfile erfinden ?  Oder war hier vielmehr gemeint, daß man sich selbst shared, damit die ganzen Apps was zutun haben ?

Fest steht, daß hier Geld zum Fenster hinausgeworfen wird, um Projekte zu finanzieren, die ohnehin keine Chance haben, weil die amerikanischen Startups die Idee schneller aufnehmen und umsetzen können, als deutsche Beamte den Förderantrag bearbeiten werden. Vergeßt es einfach, Eure Idee ist schon weg, bevor das erste Geld kommt !

Hat sich mal jemand die Frage gestellt, was mit der Volkwirtschaft passiert, wenn statt einer app, hunderte apps den gleichen Job machen? Nein, dann beantworte ich das mal: Einem Rudel von Investoren wird Geld dafür abgenommen, eine Reinkarnation eines bereits erfolgreichen Unternehmens zu bauen. Sollte es dem neuen Nachbau gelingen signifikante Anteile am Markt zu erobern, könnte die Strategie aufgehen und die neue Firma wird von der Alten aufgekauft. Wenn jetzt aber hundert neue Unternehmen die wenigen Marktanteile unter sich aufteilen, führt das zu einer Menge verlorenem Kapital und einer Reihe arbeitsloser Programmierer, weil die paar Kunden dem Marktführer egal sind und er die Firmen nicht aufkauft.

Volkswirtschaftlich betrachtet, ist das deswegen Schwachsinn, weil es am Ende nur Verlierer gibt. Die Firmen, die den neuen Firmen die Webservices zur Verfügung gestellt haben, müssen ihrerseits den wegbrechenden Kundenstamm kompensieren und werfen die eigens eingestellten Leute auch wieder raus. Die Kapitalgeber verlieren sowieso alles und die Entwickler in den neuen, aber alsbald liquidierten Firmen, wurden davon abgehalten mit Ihrer kostbaren Zeit etwas neues zu erschaffen, das im Gegensatz zur Reinkarnation sinnvoll ist und auf Dauer bestehen bleibt. Vielleicht die Vermieter der Lofts der kurzeitig reichen Startupgründer finden das toll, weil sie so die Mietpreisbremsen umgehen können, denn gewerbliche Vermietungen fallen ja ja nicht drunter.

Liebes BMVI, fördert doch mal etwas, was wir wirklich dringend brauchen:

Verständnis für freie Software
Den Unterschied zwischen Freier Software und Open-Source erklären
Sichere Smartphonehardware
Sichere Smartphoneupdates
Sichere Smartphonebetriebssysteme ( z.b. GNU Linux aufm Handy für Alle zur Pflicht machen)
Sichere Steuersoftware für AUTOS
Echten Datenschutz für Autofahrer
Schutz vor unsinnigen digitalen Zwangsanwendungen für Autos
Schutz vor unsinnigen EHealth Zwangsanwendungen und Datensammlungen
Schutz vor unsinnigen EPersoAusweisen und deren ebenfalls unsicher umgesetzten Zwangsanwendungen.
Schutz vor VPN/WLAN Anbietern, die Erpressern und anderen Kriminellen zur Hand gehen.
Eine Finanz-Elster die auch sauber updated !

oder am besten überhaupt mal die Pflicht der Anbieter für Ihr Produkt 2 Jahre nach Verkaufsdatum noch Updates anzubieten. Dafür könnte man ja mal Kohle rauswerfen. In dem Sinne, einen schönen Wochenstart.

 

5 thoughts on “mFUND oder wo unsere Steuern landen

  1. Im Grunde gebe ich dir Recht, diese Förderung ist so überflüssig wie ein Kropf. Das trifft aber auch auf die meisten Förderungen zu.

    Allerdings wird dabei kein Kapital vernichtet, sondern nur umgeschichtet. Ob sinnvoll umgeschichtet sei mal dahin gestellt. 😉

    In unseren Geldsystem gibt es übrigens nur zwei Möglichkeiten Kapital wirklich zu vernichten:
    A) Geldscheine verbrennen, Geldmünzen einschmelzen, mühsam und wenig effektiv
    B) Kredite zurückzahlen, die elegante einfache Möglichkeit

  2. Ich sehe das um ehrlich zu sein nicht so pessimistisch wie ihr. Ganz im Gegenteil finde ich es gut, wenn die Politik / Verwaltung OpenSource langsam begreift und auch fördert.
    Klar, bei dieser Förderung ist nicht alles super. Überraschung! 😉 Natürlich wird da geschaut wo bisher FLOSS in der Verwaltung eingesetzt wird und das erstmal aufgeschrieben. Ich denke nicht, dass das abschließend gemeint ist. Auch das erst im Nachhinein etwas öffentlich gemacht werden muss ist evtl. nicht ganz so prickelnd.

    Wie ihr darauf kommt, dass bei OpenSource etwas „zum Fenster rausgeschmissen“ wird, will mir nicht in den Sinn. Die Ergebnisse bleiben frei zugänglich und nachnutzbar. Ist ja nicht so, als gäbe es nicht auch verschiedene Linux Desktops, startup-Systeme, …. .
    Lasst mal schauen was da an Ergebnissen kommt und meckert nicht gleich drauf los. Und gesteht evtl. auch anderen die Möglichkeit zu sich weiter zu verbessern. 🙂

    • Dagegen, daß Freie Software gefördert wird, habe ich gar nichts, ganz im Gegenteil, aber daß die Xte Reinkarnation einer abgelutschten Idee mit meiner Kohle gefördert werden soll, dagegen habe ich was.

      Es gäbe so viele Bereiche die man fördern könnte.. z.B. Lernsoftware die auf Bildern Sachen erkennt und bestimmt z.b Mineralien, Vögel, Insekten, Gräser, Bäume, Früchte usw. . Die Datenbanken dahinter mit Steuergeld am Laufen halten, damit die Generation S mal was lernt, wenn Sie schon mal aus dem Bau rauskommen in dem sie wohnen.

      Anwendungen für die Stadtverwaltungen, damit Bürger vorort sofort Probleme mit dem Smartphone aufnehmen und an die zuständige Abteilung z.B. Müllentsorgung melden können und zwar egal wo Sie grade sind,also auch egal in welcher Stadt. Die dafür nötige Infrastruktur in den Verwaltungen und die nötige Smartphonesoftware wären besser geeignet, als die tausendste App mit einer Regenwolke drauf, wenn man schon bis zu den Knöcheln im Wasser steht.

      Diese beiden Förderprogramme sind aus folgender Diskussion entstanden : „Du Walter? Wir müßten da mal was mit Internet und Telefonen machen.“ und dann fragt Walter zurück, was ihm so vorschwebt, woraufhin der Typ mit „Keine Ahnung, laß das mal den Referenten klären.“ sagt und besagter Referent schaut dann die Buzzwordliste vom letzten Bullshitbingo durch und raus kommt son Wischi Waschi Thema wie „Open Data / Internet / GPS & Wetter“.

      Die Linuxsystem die Du da anführst, sind nicht mit Steuergeldern entstanden, da liegt der Unterschied. Wenn jemand als beliebtes Einsteigerprojekt, die millionste Version der Gnome-Wetter-App nachbaut, ist das sein privater Spaß, da wird ihm keiner reinreden.

      • Klar sind das private Initiativen, aber die Probleme sind doch analog: Es kommt eben selten vor, dass jemand seine Energie in völlig neue / große / existierende Probleme und Projekte investiert. Man fängt meist klein an und mit Dingen zu denen man einen gewissen Bezug hat.

        Wahrscheinlich ist dein gesponnener Dialog gar nicht so weit hergeholt 😉
        Gut derzeit scheint die Alternative zu sein, dass gar kein Geld für FLOSS ausgegeben wird, wäre das in deinen Augen besser?

        P.S: Vielleicht noch mal kurz zur Einordnung, in welcher Welt wir auf Seiten von Verwaltung und Politik aktuell leben: Der werden mit 100kEur die tausendste Reinkanartion von Google Maps / CMS / DMS / tracker / … gebaut, OHNE das auch nur irgendjemand etwas davon hat (außer das KMU welches den Auftrag bekommt).

        P.P.S: Auch die von dir aufgezählten Anwendungen gibt es bereits (siehe OKFN, siehe libface, ….). und auch dort könnte man gleich wieder in eine Bresche schlagen (Bürgerbeteiligung = Auslagerung von Arbeit auf Bürger, Bilderkennung= dualuse / Überwachung). Es ist wahrscheinlich eben nicht alles so schwarz/weiß und vielleicht sollte man deshalb etwas tolleranter sein, wenn neue Dinge entstehen und sich Leute vorran tasten …

Schreibe einen Kommentar