Outlook hat Emailverbindung nicht verschlüsselt

Ja, das Fedora 43 Update hatte eine spannende Offenbarung für alle Outlook Benutzer zur Folge, von der Microsoft nicht begeistert sein wird.

Outlook hat Emailverbindung nicht verschlüsselt

und das, obwohl SSL/TLS in den Kontoeinstellungen nachweislich aktiviert war.

Aber der Reihe nach… Ende Mai haben wir turnusgemäß unser ServerOS aktualisiert. Dabei wurde Fedora 42 mit Dovecot 2.3.x durch Fedora 43 und Dovecot 2.4.3 ersetzt. Dies erforderte nicht nur eine komplett neue Konfiguration, es verhinderte auch, daß über einen unsicheren Kanal Passwörter in Klartext übermittelt werden.

Wenn jemand das tat gab es in Outllook diesen Fehler zu bestaunen:

„-ERR [AUTH] Cleartext authentication disallowed on non -secure ( SSL/TLS ) connections.“ stammt tatsächlich vom Dovecot. Die kommt, wenn man über Port 110 mit Netcat (oder telnet 😀 )  eine Verbindung aufbaut und „USER“ / „PASS“ direkt da reinschreibt. Das wäre ein Klartextpasswort über einen Klartextport und das mag Dovecot nicht mehr, was gut so ist.

„Wir hatten doch SSL/TLS aktiviert!“ 

meldeten die Kunden und hatten Recht, es war SSL/TLS bei den Konto aktiviert, nur leider juckte Outlook das nicht, weil als PORT 110 für POP3 eingetragen war, hat Outlook statt einer „Das paßt aber so nicht zusammen Benutzer!„-Meldung einfach NICHTS gemacht und die Verbindung einfach nicht verschlüsselt, weil 110 der Klartextport ist und man für SSL 995 hätte angeben müssen. Beobachtet haben wir bislang nur POP3 Port 110, ich geh aber davon aus, daß es bei IMAP auch ist.

Mutmaßliches (latest) Outlook für MacOs

Ergo, haben Kunden wohl seit mehr als einem Jahrzehnt Ihre Emails im irrigen Glauben an die aktivierte Verschlüsselung stattdessen im Klartext abgeholt. Zur Zeit liegen mir passende Screenshots von Outlook vor, einzig die Versionsnummern fehlen noch, obwohl einer hatte noch Outlook 2007 im Einsatz. Gehen wir mal von der Annahme aus, daß alle nachfolgenden auch diesen Fehler hatten, da gleichlautende Meldungen auch von Outlook 2016 und neuer bekannt wurden, ist die Sicherheitslücke praktisch 20 Jahre im Einsatz und wäre nie aufgefallen, wenn Dovecot nicht was dagegen gehabt hätte.

Regress“ und „Schadensersatz

sind so Worte, die einem dabei durch den Kopf gehen. Den Schaden haben alle, die nach DSGVO zum Verschlüsseln der Emails verantwortlich gewesen sind und sich darauf verlassen haben, daß aktiviertes „SSL/TLS“ auch eine Verschlüsselte Verbindung bedeutet.

Den Serverbetreibern kann man hier keinen Vorwurf machen, da der Server nicht hellsehen kann, reagiert(e) er früher auf eine Klartextverbindung  wie das im POP3 RFC vorgesehen ist. Selbst wenn man jetzt eine verschlüsselte Passwortübertragung auf Klartextport benutzt, ändert das nichts daran, daß die unverschlüsselte Übertragung der Email selbst für Unternehmen und Organisationen ein Gesetzesverstoß ist.

Wenn diese Meldung bei betroffenen Unternehmen publik wird, könnte Microsoft ein kleines finanzielles Loch entstehen.

Kleines Reddit Update:

Auf Reddit kam die Frage auf, wieso man unverschlüsselte Passwort-Auth überhaupt zulässt. Das ist ganz einfach: Kompatibilität. Auf diese Server prasseln Verbindungen aus der ganzen geographischen und IT-Welt ein, meint: Du hast keine Chance einen einheitlichen Standard durchzusetzen, ohne dabei 10% der Nutzer auf die Füße zu treten. Solange der Transportkanal modern verschlüsselt ist, besteht IMHO auch kein Grund auf eine komplizierte Methode auszuweichen, da es keinen zusätzlichen Schutz bietet. Wichtiger wäre, Verbindungen über Klartextports nur noch mit STARTTLS zu erlauben, weil das wirklich die Mail und nciht nur die Auth schützen würde.

Was so eine Änderung in der Realität bedeutet, möchte mal nur an einer Mailprogrammauflistung darstellen:

Thunderbird für Linux, MacOs, Windows
Outlook 2007 Windows 7
Outlook 2013 Windows 8
Outlook 2016 Windows 10+11
Outlook 2019 Windows 10+11
Outlook 2024 Windows 11
Outlook for MacOS ( diverse inkompatible Versionen)
AppleMail ( einer der schlimmsten Clienten überhaupt )
Evolution ( Linux )
The Bat ( das war echt übel damals )
Geary ( Linux )
k9 Mail
Mail for Android
Java Mailx
Avira AntVir
Kaspersky
Avast
Bitdefender
Norten
G Data
M$ Defender
Sophos

und die Liste geht weiter und weiter und weiter.

Alle diese Programme müssen mit dem Server reden können und jeder spricht ein klein wenig anders mit dem Server. Sehr beliebt bei Mailfehlern sind die Antiviren MITM-Attacken wo sich das Mailprogramm zu einem lokalen Proxy verbindet, statt zum echten Server. Da knallt es alle Naselang, weil diese Software mit der heißen Nadel gestrickt geworden zu scheint.

Wenn man in dem Konglomerat von Mailklienten auch nur auf die Idee kommt, Plaintext als Authmethode nicht mehr anzubieten, dann macht sich das direkt proportional auf Deinem Gehaltscheck bemerkbar, weil Deine Kunden nämlich folgenden Standpunkt einnehmen: „Lief doch gestern noch!“

Schon dieser Outlook Bug hat Wellen geschlagen und das will man als Anbieter nicht wirklich. Stellt Euch mal vor, was erst passiert, wenn man Plaintext abschaltet und die ganzen Antivirenprogramme failen… da bin ich dann im Urlaub 😀

Update:

1. es gibt einen Nachfolgeartikel zur Frage on IMAP sicherer ist als POP3
2. Es kam die Frage nach der Orptunistischen Verschlüsselung auf, wobei es mit Klartext anfängt und dann wenns geht, verschlüsselt wird, wozu der Server STARTTLS können muß: Ja, können die natürlich alle.
3. Wenn Ihr darüber nachdenkt, setzt nicht Maßstäbe von 2026 ein, sondern von < 2010, da war SSL Luxus und vor allem meinte die SSL/TLS Checkbox auch wirklich SSL/TLS und gerade NICHT STARTTLS. Die meisten betroffenen Konten werden auch nicht in 2025 eingerichtet worden sein, sondern wurden über Jahrzehnte mit geupgraded, was das völlig erklären würde, weil das vom Entwicklerstandpunkt her ein echtes Problem darstellt, so lange Rückwärtskompatibel zu sein, ohne das was zerbricht.

Dovecot 2.3.15: Update kickt alte Mailclienten raus

Die aktuelle Version von Dovecot für Fedora, Version 2.3.15, hebt über die internen Defaulteinstellungen das MinimalProtokoll für TLS von TLS 1.0 auf TLS 1.2 an, ganz zum Nachteil alter Mailprogramme.

Dovecot 2.3.15: Update kickt alte Mailclienten raus

Montag Morgen, Internet: Gegen 6 Uhr morgens weisen die Fedoraserver eine neue Dovecotversion aus. Wenige Sekunden später fangen die ersten Server im Cluster an, das Update einzuspielen. Gegen 8 Uhr kommen die ersten Beschwerden beim Support rein, daß einige Benutzer keine Emails mehr abholen könnten.

Eine Analyse später steht nur fest, daß die Clienten beim Abholen eine „nicht unterstützte TLS Version sprechen“, komischerweise aber noch Emails senden können. Die Zugriffe der Mailprogramme findet dabei über die seit 1994 in Betrieb befindlichen SSL-Ports 993 und 995 statt, was die Vermutung nahe legt, daß die Mailprogramme dabei auch das damals übliche SSLv3 sprechen oder zumindest nicht TLS 1.2+.

In den Adminkreisen kommt der Verdacht auf, ein Windowsupdate hätte das Problem verursacht, was sich aber als falsch herausstellt, da nach und nach auch Android und Macuser Probleme melden.

24h später steht die Ursache fest: Das Dovecot Update 2.3.15 bringt ein Securityupdate mit, in dessen Zuge die minimale Protokollversion für TLS Verbindungen von TLS 1.0 auf TLS 1.2 gesetzt wird. Eine Umstellung der Mailprogramme aus das moderne STARTTLS stellt in den Mailprogramm dann auch die verwendete Krypto von „völlig veraltet“ auf „modern“ um, so daß die Probleme mit einen Klick behoben werden können.

Im Changelog liest sich das übrigens so:

CVE-2021-29157: Dovecot does not correctly escape kid and azp fields in JWT tokens. This may be used to supply attacker controlled keys to validate tokens, if attacker has local access.
CVE-2021-33515: On-path attacker could have injected plaintext commands before STARTTLS negotiation that would be executed after STARTTLS finished with the client.
Add TSLv1.3 support to min_protocols.

Da die Sicherheitslücken nicht umgangen werden können, bleiben die alten Versionen draußen. Dies hat uch den Vorteil, daß jetzt TLS 1.2 das Mindestmaß auch bei Privatanwendern ist.

Zwei Einzelfälle möchte ich Euch allerdings nicht vorenthalten:

a) Ein Benutzer nutzte auch beim Senden noch TLS 1.0, was den Verdacht nahelegte, daß hier eine alte Version in Spiel war. Es kam raus, daß noch Thunderbird V17 von 2013 benutzt wurde und nie Updates eingespielt wurden 🙂 Ein Update wirkte Wunder 😉

b) Ein anderer Benutzer nutzte auch noch TLS 1.0, aber hier war Hopfen und Malz verloren, da es sich um einen MAC von 2006 oder 2007 handelte. Dem ist in sofern nicht mehr zu helfen, da es hier keine Updates mehr gibt, die diese HW noch mitmachen würde.

Merke: Alte Hardware ist nur charmant, wenn Sie auch noch sicher ist.

Linux am Dienstag – Programm 6.7. ab 19 Uhr

Da Deutschlandspiele nicht mehr im Weg sind, geht es wieder pünktlich um 19 Uhr los 🙂

Linux am Dienstag – Programm 6.7. ab 20 Uhr

Mit dabei sind folgende Linux Themen:

  • Security – Kaseya: Coop schliesst 700 Filialen in Schweden wegen Hacks des Bezahlsoftware
    Blender Einführung – Teil 4/6 – Wolken – Duplizieren
    Systemd – Wie man Dienste startet
    Wine – Dicker Fehler in Wine Staging64 6.12
    Dovecot – Update 2.3.15 kickt Teile von Windows und Android raus

Linux am Dienstag kann man wie immer über unsere öffentliche Videokonferenz unter https://cloud-foo.de/Linux oder Ihr klickt auf https://Linux-am-Dienstag.de auf den VideoChat Button erreichen.

Hinweis: Nein, wir nehmen das nicht auf, Ihr müsstet Euch selbst hin bemühen 😉