langweilig!

Die Nigeriaconnectionscammer werden auch immer schlechter :

„Bitte beachten und verstehen, mein Ziel von e-mailing Sie heute, mein name ist Thomas Wells, Business Relationship Manager bei NatWest Bank plc. London. Ich Fragen Sie Ihre Aufmerksamkeit, um diese Transaktion mit größter Vertraulichkeit.“

Vor einigen Monaten habe ich mal einen Verbrecher gelobt, weil der Text korrekt geschrieben war und fast keine Fehler beim Stylen der Phisingmail gemacht wurden. Damals hatte ich noch die Hoffnung, daß die Verbrecher endlich mal Stiel an den Tag legen und die Qualität der Betrügereien besser wird. Leider war das offensichtlich nur ein Ausrutscher und wir sind wieder beim Google-Bot-Witzmailniveau angekommen.

Die Kurzanalyse, wenn man schon mal dabei ist :

Received: by bravo923.dedicatedpanel.com (Postfix, from userid 502)
	id E23631A40ED3; Wed, 11 Feb 2016 06:17:14 +0000 (UTC)
Received: from 197.211.53.7 ([197.211.53.7]) by
 webmail.bravo923.dedicatedpanel.com (Horde Framework) with HTTP; Wed, 11
 Feb 2016 06:22:10 +0000
Message-ID:  <20160210031540.18353133fti35p71i@webmail.bravo923.dedicatedpanel.com>
Date: Wed, 11 Feb 2016 06:22:10 +0000
From: THOMAS WELLS <twells212@msn.com>
Reply-to: t.wells1@msn.com
To: undisclosed-recipients:;
MIME-Version: 1.0
Content-Type: multipart/alternative;
 boundary="=_e5ldn8tfd"
Content-Transfer-Encoding: 7bit
User-Agent: Internet Messaging Program (IMP) H3 (4.3.11)
Subject:  Von Thomas Wells

Offensichtliche „Fehler“ : ( in aufsteigender Ungereimtheit )

  1. Unbekanntes Emailprogramm
  2. „Reply-To:“ und „From:“ sind ungleich.
  3. „Subject:“ steht der Name des Absenders drin, aber kein sinnvoller Betreff
  4. „To:“ ist die eigene Emailadresse nicht enthalten -> „undisclosed-recipients:;“ was man meistens dann vorfindet, wenn jemand an eine lange lange lange Liste von Adressen Massenspams versendet.

EInen Lichtblick gab es dann aber doch noch 🙂 Die IP 197.211.53.7 stammt tatsächlich aus Nigeria :

person:        Prasoon Agarwal
nic-hdl:        PA2-AFRINIC
address:        1- Mike Adenuga Close, Victoria Island
address:        Lagos, lagos
address:        Nigeria

Dabei hatte ich am Anfang des Artikels nur den Gattungsnamen für diese Art Emails benutzt, was es besonders lustig macht 🙂

Erneuter Ruf nach mehr Überwachung

Der Tag fängt echt gut an, wenn man so einem Schwachsinn lesen darf. Da fordert ein IT-Bundesbeauftragter ( nie gehört vorher ), daß den Webhostingprovidern doch erlaubt werden solle, Datenflüße bis zu 6 Monate aufzuheben. „Die Daten würden ja gebraucht, um Angriffe zu analysieren und abzuwehren.“ so der Tenor.

Ich kann aus unserer Firma sagen : „Blödsinn!“ 99% der geglückten Angriffe auf Webanwendungen werden durch nicht aktuell gehaltene Software verursacht. Dabei sind das in 90% der Fälle PHP Anwendungen, die vom Webseitenbesitzer aus diversen Gründen nicht aktualisiert werden. Der Rest sind Angriffe durch gekaperte Zugangsdaten für Mailkonten/gekaperte PCs in Firmen. Lustigerweise ist dort die Ursache #1 auch nicht aktuelle Software. (#2 ist: Ich klicke auf alles was mir per Email gesendet wird)

Diese Angriffe kann man nicht abwehren, indem man auf 6 Monate alte Daten zurückgreift.

Vor zwei Wochen hat der NSA Oberhacker auch deutlich gesagt, daß die NSA nicht auf ZeroDay Lücken setzt, also Exploits für Schwachstellen in Programmen, sondern ganz traditionell systemimmanente Schwachstellen benutzt, also Personen und Konstruktionsfehler in Firewalls und Netzwerken. Natürlich glaubt ihm das keiner, ich auch nicht, aber die Begründung ist einleuchtend. Zerodays werden i.d.R. sehr schnell geschlossen, weswegen auf lange Sicht, die andere Strategie erfolgreicher sein wird, weil man sich damit längerfristig in fremden Netzwerken bewegen kann. Wenn es Anzeichen gibt, daß ein Zeroday ausgenutzt wurde, gerät die IT Abteilung normalerweise in den Panikmodus und durchsucht das gesamte Netzwerk, überdenkt Schutzlücken und scheucht alle auf. Das ist genau das Gegenteil, was ein Geheimdienst haben möchte.

Ergo, wer sein Netzwerk schützen will, muß seine Prozeduren, Implementierungen und Organisation auf den Prüfstand stellen.

Quelle: Neuer Vorstoß zur Vorratsdatenspeicherung gegen Hacker und Cyberangriffe geplant