Dell Venue 8 Pro Tablet mit Linux

Als Gastbeitrag gibt es heute einen Erfahrungsbericht von Malte ( BSLUG) zum Dell Venue 8 Pro Tablet und wie sich das mit Linux so schlägt. Da das Gerät schon in die Jahre gekommen ist, kann ich Euch leider nur Link zu Nachfolger anbieten: dell-venue-11-pro.

Abenteuer: Dell Tablet mit Linux betreiben

Ich klinke mich hier aus und wünsche Euch viel Vergnügen mit Maltes Abenteuerbericht:

Von der Begeisterung der Surface-Fraktion angesteckt, hatte ich irgendwann im Frühjahr beschlossen, mir auch ein Tablet anzuschaffen. Was ich wollte, war aber weniger ein Laptop-Ersatz (der funktioniert noch), als überhaupt mal ein Tablet auszuprobieren. Achtung, der Artikel wird lang…

Die Tablet Kaufentscheidung

Nach etwas Suche habe ich mich dann für das Dell Venue 8 Pro (5830) von 2013/14 entschieden. Von Werk aus ist ein „richtiges“ Windows 8 vorinstalliert. Das ist wichtig, weil das Tablet dank Intel-Prozessor technisch gesehen eher ein geschrumpftes Note- bzw. Netbook ist als ein aufgeblasenes Handy (wie die meisten Android-Tablets).

Das Tablet habe ich mit Hülle und Ladegerät für 60€ ersteigert, einen passenden Eingabestift für knapp 40. Damit ist mein Experiment „Tablet“ in Summe gerade noch unter 100€, viel besser für mein studentisches Budget als ein Surface. Außerdem, 100€ ist für „Spielzeug“ noch vertretbar.

Die Tablet Hardware

Leistungsmäßig darf man aber vom 2-Watt-Atom keine Wunder erwarten, und der Mangel an Anschlüssen (eine SD-Karte und eine Micro-USB-Dose, immerhin mit OTG-Support), RAM (2 GB) und ROM (32 GB) ist grenzwertig. Dafür ist das Tablet dünn und leicht (8 Zoll), und hält trotz Gebrauchtgerät je nach Nutzung 4-6 Stunden durch.

Wenn der Stift (Eigenentwicklung von Synaptics) mal funktioniert, dann ist er ganz okay, aber nicht mit Wacom oder N-Trig (z.B. im Surface) zu vergleichen. Man sollte darauf achten, einen Stift aus der 2. Serie zu bekommen (silber-schwarz statt nur schwarz), die erste war laut Internet häufig fehlerhaft. Meiner gab aber auch leider nach einigen Monaten intensiver Nutzung mit mechanischem Defekt auf. Wer weiß, wie man die silber-schwarze Version auf bekommt, soll sich bitte melden, im Internet ist nichts zu finden…

Immerhin hat Dell dem Tablet ein richtiges, klassisch grau-blaues BIOS spendiert. Das sieht zwar mit Touch etwas komisch aus, ist aber im Vergleich zu anderen Tablets extrem hilfreich.

Aussehen und Bios – Stift nur zum Größenvergleich. Diesen Stift bitte nicht benutzen 😉

Das Tablet mit Linux

Nachdem ich etwas mit dem installierten Windows gespielt (und ein Backup gemacht) habe, muss auf das Gerät zumindest mal auch Linux drauf, sonst wäre es ja hier auf dem Blog fehl am Platz 😉

Linux, das Positive

Fangen wir mal an mit dem, was geklappt hat: Linux läuft mit aktuellem Kernel (5.x) in der Regel stabil, erkennt Lage, Helligkeit, Video, Audio, Stift und nach Download der Firmware auch WLAN, und ist allgemein benutzbar. Je nach Distribution (z.B Fedora 29) ist die Installation genau so einfach wie auf einem Laptop: mit OTG-Adapter vom USB-Stick starten (Lautstärke-Wippe für Bios- bzw. Bootmenü) und Anweisungen folgen.

Desktopumgebung für Tablets

Die einzige richtig benutzbare Desktopumgebung für Touch ist Gnome 3. Punkt.

Korrigiert mich hier bitte, ich habe nichts besseres gefunden. Aber Gnome 3 ist LANGSAM. Das merkt man schon auf einem Desktop mit i5 und massig RAM, und das wird mit 2 GB RAM und einem 2-Watt-Prozessor nicht besser.

Einer der Gründe ist wohl, das Gnome mehr oder weniger ALLES in einem Thread erledigt. Unter Wayland beinhaltet das sogar Input-Events – wenn also gerade eine Animation „läuft“ bzw. kriecht, reagieren weder Maus noch Touch noch Tastatur. Bei Touch sorgt das für leichte Aggressionen, weil dann einfach „Dinge passieren“. Unter X11 reagiert wenigstens noch die Event-Verarbeitung. Mit dem RAM-Verbrauch von Gnome will ich erst gar nicht anfangen, sonst bin ich morgen noch nicht fertig.

Screenshots aus dem Betrieb, Gnome 3 mit Theme und Iconpack

KDE oder Cinnamon zeigen, dass es definitiv anders geht, sind aber mit Touch (noch) nicht vernünftig zu benutzen. Selbst Windows 10 war da schneller… wenigstens sieht Gnome mit den vielen verfügbaren Themes gut aus.

Ärger mit den Treibern

Hardwareunterstützung bei weniger bekannter Hardware ist unter Linux oft ein Problem, und so auch bei meinem Tablet: Es gibt es keinen passenden Kamera-Treiber für Linux (Stichwort „atomisp“), und der WLAN-Treiber für Linux kann weder Bluetooth, 5 Ghz oder gar Miracast. Gerade Miracast wäre für ein Gerät, was keinen Bildschirmanschluss hat, extrem nützlich. Als Workaround habe ich etwas mit Remote-Desktop von einem PC aus gebastelt, aber schön ist das nicht. Auch hat das WLAN Probleme mit dem Stromsparen: um unter Linux Paketverluste und eine Latenz von 400 ms (!) im lokalen Netz zu vermeiden, muss man hier eine gut versteckte Konfigurationsdatei ändern.

Auch nicht schön: Der Linux-Kernel auf einigen billigen Intel-Prozessoren läuft immer noch nicht stabil, das heißt, je nach Tagesform gelegentlich ein Total-Einfrieren. Kernel 5.2 sollte eigentlich Besserung bringen, ist aber auch nicht stabiler. Vielleicht ändert sich hier aber noch etwas.

Weiter haben die Live-USB-Sticks vieler Distributionen in der 64-bit-Version ein Problem mit der Kombination 32-bit EFI und 64-bit CPU (lassen sich aber, einmal gestartet, korrekt installieren). Löbliche Ausnahme ist hier Fedora. Hut ab 😉

Surfen mit Touch und Mini-CPU

Ärger gab es auch mit Firefox. Um unter X11 (mit Gnome deutlich schneller als Wayland, s.o.) mit Touch wie vom Handy gewohnt bedienbar zu sein (mit dem Finger scrollen, 2-Finger-Zoom, Rechtsklick etc.), muss man erst mal an geeigneter Stelle die Umgebungsvariable MOZ_USE_XINPUT2 auf 1 setzen.

Toll ist auch, dass Firefox unter Linux keine Hardware-Beschleunigung für Videos nutzt. Damit wird der arme Atom-Prozessor bei Youtube und Verwandtschaft in HD zur Heizplatte. Den entsprechenden Bugreport gibt es jetzt schon ein paar Jahre, aber das scheint keinen zu interessieren. Um trotzdem außerhalb des Kühlschranks Youtube schauen zu können, habe ich ein FF-Addon namens „ff2mpv“ ausgegraben, was mit etwas Tricksen dazu gebracht wurde, mit mpv in 720p mittels GPU zu spielen ( mpv –hwdec=vaapi –vo=vaapi –ytdl-format=“mp4[height<=720]“ $* ) – absolut intuitiv, oder?

Als Alternative zu Firefox sollte man übrigens mal Falkon (früher QupZilla) ausprobieren, der Touch-Support ist dank Chromium/QtWebEngine-Unterbau fast genau so gut und der schlanke Browser ist gefühlt etwas schneller. Nachteil ist die kleine Community und die fehlenden Addons.

Fazit

Ich habe das Tablet jetzt einige Monate mit dem Stift als Papierersatz in Vorlesungen und zu Hause benutzt, nutze das daneben zum Videos-auf-dem-Sofa-oder-im-Zug schauen oder zum Schnell-mal-etwas-suchen. Dafür hat es die perfekte Größe. Würde ich das nochmal kaufen müssen, würde ich mich wahrscheinlich für die 11-Zoll-Version entscheiden, 8 Zoll ist doch recht knapp.

Neben Fedora habe ich eine Reihe Distributionen ausprobiert, von denen aber eigentlich alle irgendeine Macke hatten. Hängen geblieben bin ich bei Debian, weil ich das einerseits auch auf dem Laptop habe und andererseits die etwas ältere Gnome-Version subjektiv etwas flüssiger läuft.

Das Tablet ist zwar kein Laptop-Ersatz, aber fühlt sich deutlich mächtiger an als ein noch so smartes Handy. Wer das nicht glaubt, der soll mal versuchen, auf Android z.B. mal mehrere Fenster gleichzeitig auf zu machen… oder mir sagen, wann sein Androide das letzte Mal ein Kernel-Update bekommen hat.

Und Linux?

Trotz allem, für Leute, die das Gerät „einfach nur nutzen“ wollen, bleibt zumindest bei diesem Tablet nur Windows, so leid mir das tut.

Auch wenn der Artikel ziemlich negativ klingt: Letztlich war das Experiment „Tablet“ mindestens ein Teilerfolg. Einmal habe ich das Gerät gerade auch zum Basteln gekauft, war also nicht überrascht. Zum anderen, wenn ich mir das nächste Mal einen Laptop kaufe, wird er wohl mindestens auch Touch haben.


Software und Links für Linux-Tablets

Xournalpp (https://github.com/xournalpp/xournalpp/) zum Schreiben und Zeichnen, muss man je nach Distribution ggf. leider selbst kompilieren, ist es aber gegenüber dem „normalen“ Xournal wert

Onboard (https://launchpad.net/onboard) als viel (!) bessere Tastatur mit konfigurierbarem Layout

Easystroke (https://github.com/thjaeger/easystroke/wiki) für erweiterte Gesten („wenn ich einen Kringel mit dem Stift male, dann…“)

https://www.studioteabag.com/science/dell-venue-pro-linux/ extrem hilfreicher Artikel zu Linux auf dem Venue 8 Pro, englisch, leicht veraltet

ff2mpv (https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/ff2mpv/) Um Online-Videos mit mpv hardwarebeschleunigt abzuspielen

Und noch der Beitrag zum Wifi-Powersaving im Networkmanager:

https://gist.github.com/jcberthon/ea8cfe278998968ba7c5a95344bc8b55

NetworkManager WiFi Power Saving

NetworkManager supports WiFi powersaving but the function is rather undocumented.

From the source code: wifi.powersave can have the following value:

  • NM_SETTING_WIRELESS_POWERSAVE_DEFAULT (0): use the default value
  • NM_SETTING_WIRELESS_POWERSAVE_IGNORE (1): don’t touch existing setting
  • NM_SETTING_WIRELESS_POWERSAVE_DISABLE (2): disable powersave
  • NM_SETTING_WIRELESS_POWERSAVE_ENABLE (3): enable powersave

Then I propose 2 files, only one of them needs to be put under /etc/NetworkManager/conf.d/.
One is forcing to disable powersaving, while the other one enable it.

Once you have put the file in the right folder, simply restart NetworkManager:

sudo systemctl restart NetworkManager


# File to be place under /etc/NetworkManager/conf.d
[connection]
# Values are 0 (use default), 1 (ignore/don't touch), 2 (disable) or 3 (enable).
wifi.powersave = 2


# File to be place under /etc/NetworkManager/conf.d
[connection]
# Values are 0 (use default), 1 (ignore/don't touch), 2 (disable) or 3 (enable).
wifi.powersave = 3

~ Malte

 

Caribou durch Onboard ersetzen

Exim: CVE-2019-15846 Root-Exploit und die Abwehr

So, es ist wieder soweit, wir stopfen den Exim gegen CVE-2019-15846. Diese Lücke beinhaltet einen eher ungewöhnlichen Angriffsvektor, jedenfalls für mich. Aus der Richtung hätte ich nicht mit Problemen gerechnet.

CVE-2019-15846: Root-Exploit durch SNI

Was ist das Problem werdet Ihr fragen? Schon mal was von TLS gehört? Nein? Nagut 😉 Das ist der Nachfolger von SSLv3 und wurde 1998 ins Leben gerufen um primär ein Problem zu lösen: Für SSLv3 braucht jede Domain, die das benutzen wollte, eine eigene IP auf dem Server, weil es nicht möglich war, das Cert passend zur aufgerufenen Domain auszuwählen.

Dies wurde durch SNI in TLS 1.0 behoben, so daß Webserver jetzt alle verschlüsselt erreichbaren Domains auf einer einzigen IP hosten konnten. Dazu gibt der Client, dem Web/ oder Mailserver mit, für welche Domain er eine Verbindung aufbauen möchte, bevor die Verbindung wirklich aufgebaut wird.

Genau da liegt das Problem

Der per SNI übergebene Domainname landet beim Exim derzeit ungeprüft im Filesystem und wenn etwas ungeprüft im Filesystem landet, kann man damit einiges anstellen, in diesem Fall Root werden. Das ist eine stark vereinfachte Darstellung, weil ich will ja nicht, daß Ihr Euch daraus einen eigenen Exploit baut 😉

Die Gegenmaßnahme

Mal von den bereits verfügbaren Update-Patchen abgesehen, kann man den Angriff dadurch erschweren, daß man die zum Angriff nötigen Zeichen im SNI blockiert.

Das geht so :

acl_check_mail:

deny condition = ${if eq{\\}{${substr{-1}{1}{$tls_in_sni}}}}
       message = no invalid SNI for you

deny condition = ${if eq{\\}{${substr{-1}{1}{$tls_in_peerdn}}}}
       message = no invalid tls strings for you

Es wird aber empfohlen das Update einzuspielen, weil nicht ausgeschlossen werden kann, daß dies nicht ausreicht um die Lücke dauerhaft zu schließen.

Für den derzeit bekannten Angriffsvektor gibt es bereits einen Proof-of-Concept Exploit, daher solltet Ihr sehr schnell handeln und noch schneller Updaten!

Fedora patzt beim Update

Das ist dem schnell Updaten wird für Redhat und Fedora Benutzer ein Problem werden, denn es gibt noch keine Updates. Fedora/Redhat hat es komplett verpennt, obwohl ich dem Maintainer höchstselbst eine Headsup Notitz gemailt habe und auf einer von den Distros überwachten Liste, eine entsprechende Nachricht eingegangen ist. Da haben ich und Golem das ja auch her gehabt. Heise Sec meinte, es würde reichen, wenn man das CERT bei Twitter abboniert hat.. ne sorry, reicht nicht 😀

Dann fixt jetzt mal eure Server, mein Cluster ist damit schon durch.

1. Update: 14:48

Wie aus sicherer Quelle bekannt wurde, hat Redhat eine „Urlaubsvertretung“ mit dem Problem betraut, da der Maintainer nicht zur Verfügung steht derzeit, er ist im Urlaub. Ob das die Ursache ist, daß es noch keine Updates gibt, weiß man nicht sicher, aber im Bereich des möglich wärs ja 😉 Sorry Fedora, aber ein bisschen Spot muß sein, ich sehe nämlich immer noch keine Pakete im Buildsystem bauen …

2. Update: 17:11

Das Update von Exim hat jetzt bei Fedora den Status „dringend“/“urgent“ .

3. Update: 18:20

TestRPMs sind verfügbar:

https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/exim/4.92.2/1.fc29/x86_64/exim-4.92.2-1.fc29.x86_64.rpm https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/exim/4.92.2/1.fc29/x86_64/exim-mysql-4.92.2-1.fc29.x86_64.rpm https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/exim/4.92.2/1.fc29/x86_64/exim-clamav-4.92.2-1.fc29.x86_64.rpm

4. Update: 19:01

Die RPMs wurden ins Stable gepusht. Damit gehen die Updates jetzt für alle live.

Danke an alle Helfer, Urlauber, Urlaubsunterbrecher und Vertretungen, die es heute Nachmittag dann doch noch geschafft haben und besonders an Heiko Schlittermann, mit dem ich noch die Eckpunkte des Workarounds diskutieren konnte, bevor es offiziell wurde.

CVE-2019-11500: Heap-Overwrite Lücke in Dovecot

OOB Sicherheitslücke in Dovecot < 2.3.7.2 und < 2.2.36.4 führt schlimmstenfalls zu Remote-Code-Execution. Die Meldung vom Dovecotteam enthält einige Ungereimtheiten, die man mal aussprechen müßte.

UPDATE:  11:56 Uhr : Updates fertig ( Anweisung siehe unten )

Mögliche Remote-Code-Execution in Dovecot

Erstmal schauen wir uns an(siehe Advisory unten), was es für eine Schwachstelle ist: „OOB Write im Pre-AUTH „. Das meint, daß ein Angreifer ohne sich authentifizieren zu müssen, einen „Exploit-String“  an den Service schicken kann, der etwas überschreibt. Genauer betrachtet handelt es sich um einen HEAP Overwrite, d.b. ein Teil des internen Speichers des Prozesses kann durch den Angreifer manipuliert/überschrieben werden.

Das ist insofern kritisch, als daß im HEAP Speicher auch Programmteile und Rücksprungadressen liegen können. Gelingt es dem Angreifer die richtige Speicherstelle mit seinem Code zu überschreiben, führt der Prozess ggf. seinen Code aus, statt dem legitimen Programmcode von Dovecot.

Gelingt dies, hat der Angreifer einen privilegierten Prozess in seiner Gewalt und kann sich von dort weiter nach oben exploiten, weil er einen Fuß in der Tür hat. Da Dovecot in Teilen mit Rootrechten läuft, ist ggf. nicht mehr viel nötig um einen Server zu übernehmen:

root 18590 0.0 0.0 3688 2276 ? Ss 03:06 0:00 /usr/sbin/dovecot
root 18595 0.0 0.0 3640 2196 ? S 03:06 0:00 \_ dovecot/log
root 18617 0.0 0.1 5544 4172 ? S 03:06 0:00 \_ dovecot/config
root 18659 0.0 0.1 16552 8208 ? S 03:06 0:00 \_ dovecot/auth

Gegenmaßnahmen

Es gibt nur die Möglichkeit Dovecot auf die neueste Version zu hieven und da beginnt das Problem für viele Linuxuser, denn z.b. Fedora hat heute erst begonnen neue Versionen zu bauen, obwohl Redhat und das Fedora Team seitdem 14.8. Bescheid wissen.

Wieso das erst heute gemacht wird, liegt in der Einschätzung des Security Teams. Das kam zu der fatalen Fehleinschätzung, daß der OOB auf den Heap ja „extrem schwierig“ wäre, weil der Speicherbereich der überschrieben werden kann, zufällig wäre. Das ein Angreifer dann einfach so lange Exploitversuche wiederholt, bis es zufällig klappt, war dem Security Team offensichtlich nicht ganz klar. In Zeiten von riesigen BOT-Netzen, muß man diese Sicht der Dinge als ziemlich naiv bezeichnen, leider.

Zum Glück gibt es ja findige Blogger, die dem Team klar gemacht haben, wo bei der Einschätzung der Fehler liegt und siehe da …

Package Name dovecot
Version 2.3.7.2
Release 1.fc32
State building
Started Thu, 29 Aug 2019 07:47:34 UTC
Est. Completion Thu, 29 Aug 2019 08:10:40 UTC

Changelog * Thu Aug 29 2019 Michal Hlavinka <mhlavink@redhat.com> – 1:2.3.7.2-1
– dovecot updated to 2.3.7.2, pigeonhole 0.5.7.2
– fixes CVE-2019-11500: IMAP protocol parser does not properly handle NUL byte
when scanning data in quoted strings, leading to out of bounds heap
memory writes

es tut sich was bei Fedora.

Fazit: Manchmal braucht es nur einen, der den Arschtritt vornimmt 😉

Wie gefährlich ist die Lücke wirklich?

Das Problem liegt im Detail. Natürlich gibt es die Speicherverwürfelung von Linux als Schutzmaßnahme, aber das macht es einfach nur schwieriger, nicht unmöglich einen Exploit zu schreiben und auszunutzen. Der Knackpunkt ist genau, daß es nicht unmöglich ist, also muß man es zeitnah beheben. Der Angreifer hat im Worst-Case-Fall unendlich viel Zeit und unbegrenzt Ressourcen zur Verfügung ( eine Beschreibung eines Botnetzes 😉 ) und setz diese auch ein. Er kommt also irgendwann per Zufall durch.

Workround nicht vorhanden

Verschärfend kommt hinzu, daß es keinen Workaround gibt und keine Methode den Angriff verlässlich zu bemerken. Die Logfiles schweigen sich quasi aus:

Aug 29 09:33:26 imap-login: Info: Disconnected (no auth attempts in 0 secs): user=<>, rip=127.0.0.1, lip=127.0.0.1, secured
Aug 29 09:34:16 imap-login: Info: Disconnected (no auth attempts in 0 secs): user=<>, rip=127.0.0.1, lip=127.0.0.1, secured
Aug 29 09:34:17 imap-login: Info: Disconnected (no auth attempts in 0 secs): user=<>, rip=127.0.0.1, lip=127.0.0.1, secured
Aug 29 09:34:18 imap-login: Info: Disconnected (no auth attempts in 0 secs): user=<>, rip=127.0.0.1, lip=127.0.0.1, secured
Aug 29 09:34:19 imap-login: Info: Disconnected (no auth attempts in 0 secs): user=<>, rip=127.0.0.1, lip=127.0.0.1, secured
Aug 29 09:34:19 imap-login: Info: Disconnected (no auth attempts in 0 secs): user=<>, rip=127.0.0.1, lip=127.0.0.1, secured

Was Ihr oben seht, ist mein Versuch mit einem Beispielcode aus dem Advisory eine Logmeldung zu produzieren. Die Meldung kommt aber am Tag auf größeren System so 100-1000 mal vor, weil natürlich andere Angreifer und falsch konfigurierte Mailprogramme unsinnige Verbindungen zum Server aufmachen, ohne sich zu authentifizieren. Nichts, was ein übermäßiges Security Problem darstellt. Dies muß so ein Server einfach aushalten. Von den jetzt anstehenden Versuchen, die verwundbaren Dovecotserver zu exploiten, kann man das bisherige Rauschen aber nicht unterscheiden und das macht einen effektiven Schutz bis zum Update durch Fedora so problematisch.

Ich seh da nur : Port firewallen und per SSH durchtunneln, oder Firwalllücken für Ips aufgrund einer Auth an einem anderen Service, aber macht das mal mit tausenden von Kunden… also eher keine Lösung.

Das Advisory von Dovecot

Kommen wir zu dem Teil, bei dem ich mich fragte, wieso wir überhaupt ein Problem haben. Das Advisory gibt folgende Daten preis:

Date: Wed, 28 Aug 2019 15:06:23 +0300
Open-Xchange Security Advisory 2019-08-14

Vulnerable version: All versions prior to 2.3.7.2 and 2.2.36.4
Vulnerable component: IMAP and ManageSieve protocol parsers (before and
after login)
Solution status: Fixed by Vendor
Fixed version: 2.3.7.2, 2.2.36.4
Vendor notification: 2019-04-13
Solution date: 2019-06-05
Public disclosure: 2019-08-28
CVE reference: CVE-2019-11500

Gefunden wurde das also im April, im Juni behoben und gestern Abend wurde es öffentlich gemacht. Der 14.8. ist der Tag, an dem Redhat/Fedora davon über die distributionsübergreifende Mailingliste erfahren hat. Soweit so gut.

Wenn man sich jetzt aber die „Fixed Version“ und die Buildhistory von Fedora ansieht:

 NVR                   Built by Finished            State
dovecot-2.3.7.2-1.fc32 mhlavink 2019-08-29 08:36:07 complete
dovecot-2.3.7.1-1.fc30 mhlavink 2019-08-19 20:30:43 complete
dovecot-2.3.7.1-1.fc29 mhlavink 2019-08-19 16:12:18 complete
dovecot-2.3.7.1-1.fc32 mhlavink 2019-08-19 13:52:26 complete

Demnach wurde also am 19.8, 4 Tage nach dem internen Advisory, eine verwundbare Version für Fedora gebaut. Da fragt man sich doch „Wieso“, oder nicht?

Was mich jetzt aber wirklich umtreibt ist, daß es ja schon am 5.6. den Fix gab, der vermutlich intern auch schon eingecheckt war in die Sourcecodes und folglich in dem Build 2.3.7.1 hätte vorhanden sein müssen. Laut Github ist die 2.3.7.1. vom 23. Juli, also 1 Monat nach dem Fix:  „ Jul 23, 2019 2.3.7.1 “ .

Ich werde das leider nicht auflösen können, aber falls jemand anderes da mal Licht auf die Commithistorie werfen möchte, fühlt Euch eingeladen. Persönlich kann ich mir gut vorstellen, daß der Fix nicht ganz so foxy war, wie sich der Hersteller das gewünscht hat und er deswegen nicht gleich in den Code kam. Irgendeine andere Begründung, wäre vermutlich nicht so sexy für die Entwickler 😉

Dovecot Advisory in Natura: https://www.openwall.com/lists/oss-security/2019/08/28/3

PS: der FC32 Build ist durch, ich hoffe die anderen kommen auch gleich noch dran.

UPDATE:  11:56 Uhr

Die gefixte Version ist jetzt verfügbar und funktioniert auch ( für x86_64 ) . Ihr könnt direkt als Root Eure Pakete aktualisieren:

Fedora 29:

dnf update https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/dovecot/2.3.7.2/1.fc29/x86_64/dovecot-2.3.7.2-1.fc29.x86_64.rpm https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/dovecot/2.3.7.2/1.fc29/x86_64/dovecot-mysql-2.3.7.2-1.fc29.x86_64.rpm

Fedora 30:

dnf update https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/dovecot/2.3.7.2/1.fc30/x86_64/dovecot-2.3.7.2-1.fc30.x86_64.rpm https://kojipkgs.fedoraproject.org//packages/dovecot/2.3.7.2/1.fc30/x86_64/dovecot-mysql-2.3.7.2-1.fc30.x86_64.rpm

Anmerkung: Wer einen anderen Backend als MYSQL benutzt, muß die Anweisung anpassen.