Vollversagen bei OpenSSH: Is a directory

Nehmt es mir nicht übel, aber anders als ein komplettes Versagen auf ganzer Linie kann man den Fall bei OpenSSH nicht bezeichnen, zumal es um einen kleinen, aber sinnvollen Bugfix geht.

Vollversagen bei OpenSSH: „Is a directory“

Damit Ihr versteht um was es geht, müssen wir zurückreisen ins Jahr 2010. Damals wurde ein Bugreport im Bugtracker von OpenSSH veröffentlicht: https://bugzilla.mindrot.org/show_bug.cgi?id=1768

Von dem wußte ich aber nichts, als ich 2015 über das Problem gestolpert bin. Das Problem sieht wie folgt aus:

scp testdatei user@servername:/topdir/subdir/

Wenn es „subdir“ als Directory gibt, dann wird testdatei dahin kopiert und alles ist gut. Wenn es „subdir“ aber nicht gibt, dann würde man ja wohl erwarten, eine Fehlermeldung zu bekommen, aus der genau das hervorgeht, oder? Tja, wie soll ich sagen, ähm…nein!

Actual results:

scp: /usr/doesnotexist/: Is a directory

Wow.. oder? Das komplette Gegenteil von dem was man annehmen würde 🙂 Diese Aussage bekommt jeder, der sich OpenSSH selbst aus den original Sourcen kompiliert, denn, obwohl der Fehler schon 2010 gemeldet wurde und 2015 Jakub Jelen von Red Hat einen kompletten Patch geschrieben hat und das seit Fedora 20 und RHEL8 an alle „Nutzer“ in einem „Feldtest“ ausgerollt wurde, sieht sich das Projekt hinter OpenSSH nicht dazu in der Lage.

Eingeführt wurde der Bug übrigens um das Jahr 2005 herum. Damit sind es streng genommen schon 15 Jahre, die der Bug da vor sich hin dümpelt. Da ich Fedora nutze, habe  ich das Problem nicht mehr und viele andere Distros haben den RH Patch übernommen, aber traurig ist das schon, oder?

Leider mußte ich gerade feststellen, daß die neue Fehlermeldung auch nicht gerade viel besser als die alte ist:

scp: /tmp/ugdjkfh/: Not a directory

Das stimmt zwar inhaltlich, gibt aber den wahren Ursprung meiner Meinung nach nur unzureichend wieder 😉 Daher war ich mal so frei, Jakub darauf hinzuweisen, zumal ich den Bug da auch bei RH reportet hatte, vielleicht bekommt man nach 10 Jahren dann doch nochmal ein „Does not exist“ 😀 Wobei man als Server ja unterscheiden können muß zwischen „directory gibts nicht“ und „Du User, darfst da nicht reinschreiben“ unterscheiden wenn so eine Anfrage kommt, sonst könnte ein User niedriger Privilegierung die Verzeichnisstruktur einfach durchtesten. Ok, er könnte das viel einfach, wenn er eingeloggt wäre, aber ggf. hat der Account nur SFTP Zugang, ohne Interaktiven Shellzugang zu haben. Wäre ja denkbar.

Wie man sieht, doch nicht ganz trivial so eine saubere Fehlermeldung 😉

Wenn Ihr jemanden im OpenSSH Team kennt, könnt Ihr Ihn ja mal auf dieses Problem ansprechen. Übrigens erinnert mich das ganz stark an meinen Bugreport an ProFTP, weil deren 20 Jahre alte CHROOT Anweisung den Fall, daß da einer das Ziel per Symlink umgeleitet hat, nicht abgedeckt hatte. Das wurde auch Jahrelang geblockt bis es dann doch wer geschafft hatte, die Entwickler umzustimmen. Leider durfte ich mit dem 20 Jahre Bug-Jubiläumsvortrag nicht auf dem CCC sprechen. Dabei wollte ich nur son 15 Minuten Vortragsfenster im Nebenraum haben. Ich hatte denen sogar einen Patch für das Problem geschickt. Das wäre bestimmt lustig geworden, wenn die ProFTP Devs sich auf der Vortragsliste gesehen hätten 😀 Vielleicht packe ich Euch den Vortrag als PDF mal auf die Seite.

Ein Args für netstat

Wenn Dinge nicht so funktionieren, wie sie sollten, dann liegt das oft daran, daß falsche Entscheidungen getroffen wurden. Bei dieser Entscheidung geht es um netstat und IPv6.

Ein „Args!“ für netstat

netstat zeigt einem die Verbindungen, Sockets und Ports an, die auf einem Linux PC verfügbar sind. Solange es dabei um TCP und IPv4 Adressen geht, ist alles ok. Wenn man aber ein Problem mit einer IPv6 Adresse hat, dann sollte man sich informieren, weil netstat dummerweise IPv6 Adressen unvollständig anzeigt… ohne Warnung übrigens.

Nun würde man ja annehmen, daß ein „man netstat“ alles wissenswerte zu den Optionen von netstat anzeigt, oder? Tja, Pech gehabt liebe deutschsprechende Gemeinde, Ihr seid leider am Allerwertesten 🙂

BESCHREIBUNG
Netstat zeigt Informationen des Linux Netzwerkssystems an.

Bitte beachten Sie, dass der Inhalt der deutschen man-page nicht vollständig ist,im Moment.

„nicht vollständig“ ist eine leichte Untertreibung und dieser „Moment“ hält auch schon seit 2007 an 🙁 Tief durchatmen. Es gibt ja noch eine englische Originalversion. Aber wie kommt man da ran? Fragen wir doch mal „man man“ dazu …

Handbuchseiten finden
-L Locale, –locale=Locale
man wird in der Regel Ihre aktuelle Locale durch einen Aufruf der C-Funktion setlocale(3) bestimmen, welche verschiedene Umgebungsvariablen auswertet (darunter sind eventuell auch $LC_MESSAGES und $LANG). Um den ermittelten Wert vorübergehend außer
Kraft zu setzen, können Sie man mit dieser Option eine Locale vorgeben. Beachten Sie, dass dieser Wert erst wirksam wird, wenn die Suche tatsächlich beginnt. Programm-Meldungen wie Hilfe-Nachrichten werden immer in der zu Anfang ermittelten Locale
angezeigt werden.

Also tun mir mal, was da exemplarisch nicht steht: „man -L EN_en.UTF8 netstat“ und plötzlich haben wir Zugriff auf alle Infos zu allen Optionen, die in der deutschen Version nicht mal angedeutet wurden. Wer auch immer das übersetzt und dann auf die Deutschen losgelassen hat, mochte uns wohl nicht.

Zurück zum Problem: Die IPv6 Adressen werden abgeschnitten

Lösung:

–wide, -W
Do not truncate IP addresses by using output as wide as needed. This is optional for now to not break existing scripts.

Nun, die Begründung verschlägt einem ja praktisch die Sprache. Da IPv4 Adressen nicht verkürzt werden müssen, sieht man den Bug selten, bis man mal IPv6 braucht. Wer sein Script aber ohne IPv6 Support gebaut hat, der kann mit der Ausgabezeile eh nichts anfangen, weil da dann zu viele „:“und zu wenige „.“ in den IPs drin sind. Vorhandene Scripts stolpern also vermutlich sowieso über IPv6, da hätte man die IPs auch komplett ausgeben können.

Noch cleverer wärs gewesen, die Ausgabe wie „less“ oder „vim“ erzeugen zu lassen, die scrollen einfach nach rechts, wenn man die Cursorsteuertaste „->“ benutzt. Wenn man also keinen Platz mehr in einem 80-Spalten Terminal hat, dann macht man sich halt welchen, aber verkürzt sicher nicht wichtige Informationen.

Warum man nicht ss benutzt?

„ss“ ist der „Nachfolger“ von netstat, aber IMHO, und mit der stehe ich wohl nicht ganz alleine dar, ist die Ausgabe von ss unverhältnismäßig unübersichtlich :

Beispiel:

$ ss -6 -t -p

ESTAB 0 0 [::ffff:127.0.0.1]:58772 [::ffff:127.0.0.1]:mysql users:((„java“,pid=1525,fd=59))

$ netstat -lnapW

tcp6 0 0 127.0.0.1:58772 127.0.0.1:3306 VERBUNDEN 1525/java

Was ist jetzt einfacher zu lesen? Es steht zwar das gleiche an Information zur Verfügung, aber es ist einfacher zu erfassen finde ich.

Zahn der Zeit nagt am Linuxsupport von Brother

Das bislang vorbildliche Verhalten von Brother im Bezug auf Linux zeigt leider erste Schwachstellen. Kann man die Druckerfunktion über Netz noch ohne Brothertreiber realisieren, muß man für die Scannerfunktion der MFC Serien auf BRScan von Brother zurückgreifen.

Linuxsupport von Brother schwächelt zusehens

Von dem Umstand mal abgesehen, daß von Brother genutzte SAP wohl was gegen Kontaktformularanfragen hat 🙁 , sind die Webseiten von Brother was Handbücher und Treiber betrifft eigentlich ganz brauchbar. Leider kann man das von der Scansoftware nicht mehr sagen.

Die auf dem Stand 2017 kompilierte Scansoftware Brscan braucht dringend ein Update, da die verwendete libnsl u.a. von Fedora nur noch als Legacy angeboten wird und nicht mehr zum festen Systemumfang zählt. Das führt dann leider dazu, daß auch wenn man Brscan vorschriftsmäßig über das von Brother gelieferte Softwarepaket für redhatbasierte Systeme installiert, Xsane oder SimpleScan  die Scanner im Netzwerk (und vermutlich lokal auch) nicht finden.

Schuld daran ist ein „Ich hab Dir doch gesagt, ich brauche diese nsl Library“ Fehler in Brscan. Leider eskaliert das Programm den Fehler nicht an die Oberfläche, so daß der Otto-Normal-Tux keine Chance hat, da den Fehler zu finden. Dieser wird erst sichtbar, wenn ein Admin die passenden Programme von Brother direkt in der Konsole startet. Da diese Programme nicht für den Desktop geschrieben wurden, tauchen sie natürlich auch nicht im Desktop-Menü auf. Es besteht daher keine Chance, daß ein Endanwender das je findet.

Fix für Fedora u.ä.

Jetzt kann man das noch unter Fedora, und vermutlich allen anderen RH Systemen, mit dem folgenden Befehl als Rootuser leicht beheben:

dnf install -y libnsl

Es spielt dabei keine Rolle, ob Ihr Brscan vorher oder danach installiert, das Ergebnis ist das Gleiche.

Wichtig für Netzwerkdrucker ist nur, daß Ihr bei der Frage des Installationsscripts, welches auch als Root ausgeführt werden muß, die korrekte IP des Druckers/Scanners angebt. Ein Problem könnte sich dabei ergeben, wenn Euer DHCP Server im lokalen Netz dem Scanner IPs zufällig zuordnet, statt diese dauerhaft zu vergeben.

Sollte das der Fall sein, liegt eine Config Datei im /usr-Bereich der Brscan-Software, welche die IP Angabe enthält. Die müßte man dann anpassen.