Die hi-teck Erpressung

Wollt Ihr mal was zu Lachen haben?

Die hi-teck Erpressung

Man achte auf die Details wie den Domainnamen, die lustige Sprache wie „alle einige Stunden“ des Übersetzungsbots und die faktische Unmöglichkeit der Behauptungen, die soooooo übertrieben werden, daß der Spinner als gottgleich erscheint 🙂

Absender: Aileen <abraham .at. hi-teck.com>

Grüß Gott!

Ich habe beobachtet Ihr Gerät im Netz seit langer Zeit und habe es geknackt.

Es war einfach für mich, weil ich mich damit schon lange beschäftige.

Wann Sie besuchten die pornografische Webseite ich habe angesteckt Ihr Computer mit dem Virus, der sicherte mir vollständigen Zugang zu Ihr Gerät, inklusive die Kamera, das Mikrofon, die Anrufe, die Messenger, zu all dem was geschieht am Bildschirm, zum Telefonbuch, zu Passworten aller sozialer Netzwerken und weiteres.

Um das Handeln meines Virus zu verstecken, ich habe gebastelt ein sonder-Driver, updated alle einige Stunden und daher vollständig unnachweisbar.

Ich habe herunterladen das Video aus Ihrem Bildschirm und Ihrer Kamera und habe geschnitten ein Video auf dem in einem Teil des Bildschirms Sie masturbieren und der andere Teil zeigt ein Porno-Video die Sie gleichzeitig schauten.

Ich kann schicken jederzeit allerlei Daten aus Ihrem Gerät ins Internet oder an alle jene, die stehen an Ihrer Kontaktliste, an den Messengern oder in sozialen Netzwerken.

Außerdem, ich kann bereitstellen den Zugang zu Ihren Messengern, sozialen Netzwerken oder zum E-Mail jedem beliebigen Menschen.

Wenn Sie dies vermeiden wollen tun Sie folgendes-

Überweisen Sie auf meine Bitcoin-Geldbörse 1300 amerikanische Dollars.

Adresse meiner Bitcoin-Geldbörse : bc1q3dwsh4ryljth0yemny3wp6pe87dkheaxyg9q32

Sie haben 48 Stunden zur Überweisung. Andernfalls ich werde alles Obenstehende dürchfuhren.
Der Zeitgeber hat gestartet automatisch sofort nachdem Sie den Brief eröffnet hatten.
Die Meldung über Eröffnung dieses Briefs bekomme ich auch automatisch.

Wenn Sie wissen nicht wie man das Geld überweist und was ist Bitcoin, schreiben Sie die Anfrage in Google „Bitcoin kaufen“.

Sofort nach Erhalt der notwendigen Summe das System wird mich automatisch benachrichtigen und wird anbieten aus meinen Servern alle von Ihnen erhaltene Daten zu löschen.

Und ich werde das Löschen bestätigen.

Beschwerden Sie sich nirgendwo – meine Geldbörse kann nicht nachgefolgt werden und der E-Mail aus dem der Brief wurde geschickt wird erstellt automatisch und es ist sinnlos mich etwas zu schreiben.

Sollten Sie diesen Brief irgendjemandem teilen wollen, das System wird die Anfrage auf die Server automatisch schicken und diese werden Ihre Daten in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Außerdem, der Wechsel von Passworten in sozialen Netzwerken, von E-Mail und am Gerät wird Sie nicht helfen, weil alle Daten sind bereits herunterladen am Cluster meiner Server.

Ich wünsche Sie viel Glück und tun Sie keinen Blödsinn.

 

Das kam gestern Abend bei einem Kunden auf einer fiktiven Adresse an. Die Adresse benutzt der Server des Kunden um einem Postfachnutzer mitzuteilen, daß er doch SSL einschalten soll, wenn er Mails abholt. D.b. der PC eines Kunden wurde tatsächlich gehackt und der Angreifer hat einfach an alle Adressen, die er im Posteingang gefunden hat, diese Mail versendet. Vor so einem Hansel muß man keine große Angst haben, wenn man aktuelle Software und möglichst kein Windows einsetzt.

Ich werde jetzt mal versuchen den Kunden zu identifizieren, alleine an dem Merkmal kein SSL benutzt zu haben 😀 Wir schicken diese Nervmails nicht umsonst rum 😉

Nachtrag:

Hier könnt Ihr mal sehen, daß es nicht nur „uns“ und „Euch“ so erging 🙂

https://www.bitcoinabuse.com/reports/bc1q3dwsh4ryljth0yemny3wp6pe87dkheaxyg9q32

Ich habe übrigens tatsächlich einen verdächtigen Kunden-PC gefunden. Die Betonung liegt auf „verdächtig“, das muß der Kunde natürlich erst einmal selbst prüfen. Morgen wissen wir mehr.

Vodafone: falsche SSL-Cipher behindern Mailserver

Aus der Rubrik SSL-Fail haben wir heute die Domain „kabelmail.de“. Jetzt fragt Ihr Euch natürlich, was Vodafone damit zu tun hat, oder?

Vodafone: falsche SSL-Cipher behindern Mailserver

Der Teil ist weniger spannend als man vermuten könnte:

# dig +short mx kabelmail.de
100 mx01.xworks.net.

Die Domain xworks.net gehört zu Vodafone. Das Problem selbst ist der Windowswelt weiter verbreitet, da es nicht der erste Fall eines Großunternehmens ist, daß seine Mailserver nicht unter Kontrolle hat 😉 Jetzt schauen wir uns aber erst einmal an, was überhaupt los ist.

Der nachfolgende Auszug ist stark auf das Wesentliche verkürzt, gebt den Befehl einfach selbst ein, wenn Ihr alles sehen möchtet:

# openssl s_client -connect mx01.xworks.net:25 -starttls smtp
CONNECTED(00000003)

Peer signing digest: SHA512
Server Temp Key: DH, 1024 bits

SSL handshake has read 5195 bytes and written 513 bytes
Verification: OK

New, SSLv3, Cipher is DHE-RSA-AES256-SHA
Server public key is 4096 bit
Secure Renegotiation IS supported
Compression: NONE
Expansion: NONE
No ALPN negotiated
SSL-Session:
Protocol : TLSv1.2
Cipher : DHE-RSA-AES256-SHA

Jetzt muß man wissen, das Cipher immer Kinder ihrer Zeit sind, meint, die kann man einer Protokollgeneration zuordnen. „DHE-RSA-AES256-SHA“ ist ein SSLv3/TLS1 Cipher, weswegen OpenSSL hier auch SSLv3 anzeigt, obwohl TLS1.2 gesprochen werden soll.

Hat man jetzt einen Server, der kein SSLv3, TLS1.0 TLS1.1 mehr erlaubt, weil das komplett gebrochen ist und de facto kein „Stand der Technik“ mehr ist, kann man sich leicht ausmalen, was mit einer SSLv3 Verbindung passiert, die eigentlich TLS 1.2 sein müßte 🙂 Genau, sie kommt nicht zu Stande:

2021-01-09 11:22:10 1kxoMm-0002bp-LI == XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXx@kabelmail.de <XXXXXXXXXXXXX@kabelmail.de> R=dnslookup T=remote_smtp defer (-37) H=mx01.xworks.net [31.25.48.11]: TLS session: (SSL_connect): error:14094410:SSL routines:ssl3_read_bytes:sslv3 alert handshake failure

Den TLS Handshake einer Verbindung kann man sich so vorstellen:

Client: Hallo Server, ich würde gern TLS mit Dir sprechen, hier sind meine möglichen Cipher…..
Server: Hallo Client, nett, ich könnte das hier anbieten: Cipherliste des Servers
Client: Klasse, dann nehmen wir den ersten aus Deiner Liste, den ich auch kann.. Wie wärs mit .. „ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384:256“

„ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384:256“ gehört zur TLS 1.2 Ära ist also was halbwegs aktuelles.

Die Cipherliste ist so definiert, daß der „beste“ aka. „highest“ Cipher vorn als erstes steht. Das machen Client und Server beide so, der erste gemeinsame Cipher der Reihenfolge von „bester“ -> „schlechtester“ Cipher  wird dann benutzt.

Die Ursache

Ursache des SSLv3 Problems bei Windows Mailservern ist jetzt genau die selten gepflegte Cipherliste, die bei der Installation anno 1995 auf die Platte gemeisselt und seitdem kaum aktualisiert wurde. Ich seh hier natürlich Microsoft in der Pflicht, aber hey, ein Mailserveradmin sollte das wissen und checken. Die Ursache ist also bekannt, die Lösung trivial: einfach diese Liste aktualisieren und gut.

Die Ursache ist also bekannt, wieso jetzt den Artikel? 🙂

Ja, wieso eigentlich, beim Großunternehmen ENBW hat es damals doch auch sofort geklappt, eine Email und ein erstaunter „Was zum Geier ist das?“ Rückruf später, konnte man dem ENBW Mailserver wieder Emails senden 🙂

Am 9.1. wurde der Vodafone Support :

TECHNIK: Falsche Cipher Reihenfolge beim Mailserver von kabelmail.de

Moin,

Wenn man DSGVO konform Emails an Kunden von Ihnen schicken möchte, funktioniert dies nicht,
da der SMTP-Server von kabelmail.de => mx01.xworks.net die falsche Reihenfolge der SSL-Cipher konfiguriert hat.

Das kann man selbst ganz einfach mit openssl feststellen:
… die Openssl Anweisung von oben…
Wie man leicht erkennen kann, wird ein SSLv3 Cipher ausgehandelt, weil Ihr Server den als „besten“ Cipher im Cipheroffer anbietet.

Keine Panik, das passiert vielen M$ Kunden und läßt sich ganz einfach lösen:

Drehen Sie die Reihenfolge der Cipher in der Mailserverconfig einfach um und packen Sie die TLS 1.3 und 1.2 Cipher nach vorn in der Liste.

Eine automatische Antwort vom Ticketsystem war auch umgehend da. Am 12.1. kam dann diese Email von Support von Vodafone:

Lieber Vodafone-Kunde,
wir haben Ihre Nachricht an unsere Experten für Ihr Anliegen weitergeleitet.
Die Kollegen antworten Ihnen in Kürze oder rufen Sie zurück. Haben Sie bitte noch ein klein wenig Geduld – vielen Dank.
Hatten Sie mehr als ein Anliegen, antworten wir Ihnen separat.
Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team

 

Am 14.1. kam dann diese Email von einer anderen Abteilung des Supports:

Sehr geehrte Damen und Herren,

damit wir Ihnen schnell helfen können, brauchen wir noch Infos von Ihnen:

– Ihre Kundennummer
– Was funktioniert nicht?
– Seit wann funktioniert es nicht?

Rufen Sie uns am besten an. Oder antworten Sie auf diese E-Mail.

Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team

meine Antwort:

Am 14.01.21 um 16:31 schrieb Technischer Kundenservice:

Sehr geehrte Damen und Herren,

damit wir Ihnen schnell helfen können, brauchen wir noch Infos von Ihnen:
– Ihre Kundennummer
Keine Kundenbeziehung.

– Was funktioniert nicht?

Siehe Ticket: Man kann Euch DSGVO Konform keine Emails senden, weil der SSLv3 Cipher benutzt wird, statt dem TLS1.2+ .

– Seit wann funktioniert es nicht?

Seit Jahren, mir gehts nur langsam so auf den Senkel, daß ich Sie informiert habe.

Die alte Leier, man hälts ne Zeitlang aus, merkt dann, daß der andere nie was ändern wird und tritt ihm dann in den Hintern 😉 Irgendwie hatte ich mich aber undeutlich ausgedrückt, denn es kam eine weitere Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,

damit wir Ihnen schnell helfen können, brauchen wir noch Infos von Ihnen:

– Ihre Kundennummer

Rufen Sie uns am besten an. Oder antworten Sie auf diese E-Mail.

Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team

meine Antwort:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben keine Kundenbeziehung und nicht Sie helfen mir, sondern ich helfe gerade Ihnen.

Alles was Sie wissen müssen, steht bereits im Original Ticket drin, Sie müssen es nur an die zuständigen Admins weiterleiten.

Seitdem herrscht Schweigen im Walde und auch das Problem wurde noch nicht behoben. 14 Tage sind eigentlich genug Zeit um eine Liste von Ciphern zu aktualisieren, also kommt Ihr jetzt schon in den Genuss der Story 🙂 Die ich Euch natürlich nur deswegen ins Blog stelle, weil die Ursache klein, die Wirkung groß und die Lösung trivial ist 😀 und natürlich weil es Vodafone ist 😉

Unter Linux braucht man sich da im Normalfall eigentlich keine Gedanken machen, da OpenSSL so eine Cipherliste bereitstellt, die mit jedem Update automatisch aktualisiert wird. Man kann es natürlich auch selbst im Mailserver eintragen, wenn man da noch härter sein will, ist aber eigentlich nicht nötig. Man könnte ja auch mal auf ältere Mailserver stoßen, die nicht den aller neusten Cipher bereit haben.

Falls jemand von Vodafone zufällig diesen Artikel findet, Sie suchen das hier: „6618829#5df0179#“ 😉